Der authentische Fish and Chips Shop, in dem nichts essbar ist

Die britische Textilkünstlerin Lucy Sparrow hat in London einen faszinierenden temporären Raum geschaffen: Im Imbiss Bourdon Street Chippy ist nichts essbar. Denn alles ist aus Filz.

For an English translation use the Google Translator Button in the menu on the right (Website) or on the bottom (mobile device).

Fish and Chips, also panierter und frittierter Fisch und Pommes, sind das britische Nationalgericht schlechthin. Im ganzen Land gibt es Imbisse, die günstig Fish and Chips und typisch britisches Essen anbieten, vom „Pie“ bis zur „Sausage“ und oft auch „Full English Breakfast“ über den ganzen Tag. Ein solcher Shop wird auch liebevoll „Chippy“ genannt, und viele Chippys sehen im ganzen Land recht ähnlich aus. Es gibt kleine Tische oder Sitzecken mit Bänken wie in einem amerikanischen Diner, eine Theke mit Auslage, hinter der die Fish and Chips zubereitet und oft noch traditionell in Papier verpackt werden. Platz für einen traditionellen Chippy ist oft in der kleinsten Hütte, zumal dieser in erster Linie das gemeine Volk ernährt.

Bourdon-Street-Chippy London
Auf den ersten Blick authentisch: Der Bourdon Street Chippy in Mayfair. Auf den zweiten Blick wird alles zum Kunstobjekt. ©SCRITTI

Im vornehmen Londoner Stadtteil Mayfair, wo man sonst nur extrem teure Markenshops findet und am Straßenrand Ferrari und Porsche parken, erwartet man nicht unbedingt einen traditionellen Chippy. Und doch hat hier am 1. August 2025 in einer Seitengasse ein neuer Fish and Chips Shop eröffnet: Der Bourdon Street Chippy. Das Besondere: Dieser Shop ist temporär und nur sechs Wochen lang bis zum 14. September 2025 geöffnet. Wenn man durch die Glastüre den Raum betritt, ist sofort klar: Man befindet sich in einem klassischen Fish and Chips Shop. Und doch stimmt hier einiges nicht ganz. Auch wenn das Essen schön angerichtet bereits auf Tellern auf den Tischen steht: Essen kann man es nicht. Denn alles, was sich in diesem Shop befindet, wirklich ALLES, ist aus Filz gemacht. Und kann gekauft werden.

„Der authentische Fish and Chips Shop, in dem nichts essbar ist“ weiterlesen

London Spezial: Die alternative Bier- und Ausgehmeile von Bermondsey

Im Londoner Stadtteil Bermondsey südlich der Themse haben sich entlang der Bahnlinie in den darunter liegenden Eisenbahnbögen in den letzten Jahren unzählige Bars, Läden, Restaurants und Brauereien angesiedelt. Sie prägen nun die Bermondsey Beer Mile.

For an English translation use the Google Translator Button in the menu on the right (Website) or on the bottom (mobile device).

Der Stadtteil Bermondsey am südlichen Ufer der Themse östlich des Bahnhofs London Bridge hat sich in den letzten Jahren zu einem kleinen alternativen Mekka in London entwickelt. Über eine spannende Tour durch Bermondsey habe ich bereits hier im Beitrag berichtet. Obwohl Bermondsey direkt zwischen dem Bahnhof London Bridge und der Tower Bridge am südöstlichen Ufer der Themse liegt, finden doch sehr wenige Touristen den Weg in das Viertel oder in die Bermondsey Street, wo sich teils in ehemaligen Warehouses oder alten Fabriken in den letzten Jahren kleine, inhabergeführte Läden, Cafés und Restaurants angesiedelt haben und (noch) sehr viele junge Leute unterwegs sind. Doch auch hier ist – typisch für London – die Gentrifizierung in vollem Gang und Hotel-Neubauten rücken dem Viertel auf die Pelle.

Bermondsey Beer Mile Railway Arches
In der Bermondsey Beer Mile haben sich entlang der Bahnlinie in den darunter liegenden Eisenbahnbögen in den letzten Jahren unzählige Bars, Läden, Restaurants und Brauereien angesiedelt. ©SCRITTI

Ein weiteres Highlight in Bermondsey ist eine neue Ausgehmeile, die sich erst in den letzten 10 Jahren entwickelt hat und die ich schon seit längerem einmal besuchen wollte. In einem Gebiet, das in erster Linie durch ehemalige Lagerhäuser und sozialen Wohnungsbau geprägt ist, haben sich zahlreiche Brauereien mit Bierausschank, Weinbars und Restaurants angesiedelt. Diese befinden sich fast ausschließlich in den Eisenbahnbögen unter den an dieser Stelle insgesamt 11 Gleisen der Bahnstrecken Richtung Greenwich und Lewisham. Am Wochenende ist hier die Hölle los, und auch immer mehr Touristen finden den Weg hierher. Die Lokalitäten haben so illustre Namen wie The Doodle Bar, The Beer Bar,  The Barrel Project oder Craft Beer Junction. Manche kommen und gehen, so dass das Erscheinungsbild immer wieder wechselt. Das Ganze firmiert auch inoffiziell als Bermondsey Beer Mile, da ursprünglich alles mit den kleinen Craft Beer Brauereien begann, die hier teils auch heute noch Bier brauen. Man kann tatsächlich von einer Biermeile sprechen, die sich über eine Strecke von fast zwei Kilometern beiderseits der Bahngleise hinzieht und die gastronomisch viel zu bieten hat.

„London Spezial: Die alternative Bier- und Ausgehmeile von Bermondsey“ weiterlesen

Stadtspaziergang: Bohemian Vibes in Crystal Palace

Das charmante Crystal Palace im Süden von London liegt hoch oben auf einem Hügel und bietet grandiose Aussichten.

For an English translation use the Google Translator Button in the menu on the right (Website) or on the bottom (mobile device).

Im September 2023 hatte ich endlich die Gelegenheit, den Londoner Stadtteil Crystal Palace zu besuchen. Schon lange stand der Ort auf meiner London To-do-Liste, nachdem ich gelesen hatte, dass er von der Sunday Times 2022 zum „Best Place to Live in London“ auserkoren wurde. Begründet wurde dies vor allem mit dem „bohemian vibe“, phantastischen Ausblicken, viel Grün mit Parks, coolen Cafés, Indie Shops und schönen historischen Gebäuden. Der Ort Crystal Palace hat seinen Namen eigentlich von der großen Ausstellungshalle Crystal Palace aus Gußeisen und Glas, die hier von 1854 bis 1936 im angrenzenden, weitläufigen Park stand (mehr dazu weiter unten). Und in der Tat, als bekennender Bohemian habe mich gleich bei meinem ersten Besuch schockverliebt und mit Crystal Palace nun einen neuen Lieblingsstadtteil, den ich unbedingt noch weiter erkunden muss. Crystal Palace ist mit 111 Metern Höhe einer der höchsten Punkte im Süden von London, was atemberaubende Ausblicke auf die City einerseits und in die weite Landschaft von Kent auf der anderen Seite mit sich bringt.

Vom Zentrum von Crystal Palace aus hat man nach Norden wie entlang der Straße Gipsy Hill immer wieder phantastische Ausblicke auf die Skyline von London. ©SCRITTI

Im Zentrum auf der Spitze des Hügels, das sich auf ein Dreieck (das „Triangle“) aus den drei Straßen Westow Hill, Westow Street und Church Road eingrenzen lässt, gibt es lauter nette kleine Läden, Restaurants, Pubs und Cafés und ein Kino aus den 1930er Jahren im Art Deco Stil. Der Ort versprüht in der Tat den Charme eines kleinen Städtchens irgendwo versteckt in den Weiten englischer Landschaften. Die Hektik der Großstadt London ist weit entfernt, und man schaltet gleich bei der Ankunft automatisch einen Gang runter – nachdem man sich die steile Straße zur Ortsmitte hochgearbeitet hat. Wer hätte gedacht, dass es in London so etwas wie ein Bergdorf gibt?

„Stadtspaziergang: Bohemian Vibes in Crystal Palace“ weiterlesen

The Greens: Das schönste Café Berlins

Versteckt in einem Hinterhof nicht weit vom Alexanderplatz befindet sich eines der schönsten alternativen Cafés von Berlin.

Obwohl ich mehrmals pro Jahr nach Berlin komme, habe ich erst im Sommer 2022 durch Zufall ein absolutes Highlight entdeckt: Das Café The Greens im Gebäudekomplex und alternativen Zentrum Alte Münze in Mitte direkt neben der Spree. Das kleine, gemütliche Café liegt etwas versteckt im Hinterhof in einer ehemaligen Fabrikanlage, der früheren Münzprägeanstalt, und ist eine Mischung aus Gewächshaus und Wohnzimmer. Der Eingang zum Hof ist etwas unscheinbar, und man übersieht sehr leicht, dass es zwischen den Neubauten ringsum hier noch einiges zu entdecken gibt. Die kleinen, hohen Räume mit großen Fenstern sind vollgestopft mit Pflanzen bis unter die Decke gepaart mit Vintage-Deko und alten Berliner Wandvertäfelungen. Man fühlt sich tatsächlich ein bisschen in ein tropisches Gewächshaus versetzt. Es fehlen nur noch Vogelgezwitscher und Schreie von Dschungeltieren.

Das liebevoll eingerichtete Café The Greens in der Alten Münze in Berlin Mitte. ©SCRITTI
„The Greens: Das schönste Café Berlins“ weiterlesen

London Spezial: Streetfood, Markt und maritimes Erbe in Deptford

Nicht weit entfernt vom touristischen Trubel von Greenwich kann man in Deptford noch ein Stück ursprüngliches Süd-London mit seiner bunten Vielfalt und Kreativität finden.

For an English translation use the Google Translator Button in the menu on the right (Website) or on the bottom (mobile device).

Mein Lieblingsstadtteil von London ist definitiv Greenwich im Osten südlich der Themse. Es ist eine kleine, bezaubernde Welt für sich mit zahlreichen Restaurants, Bars, kleinen Läden, dem National Maritime Museum und natürlich dem großen Park, dem Observatorium auf dem Hügel und dem beeindruckenden Segelschiff „Cutty Sark“ direkt am Ufer der Themse. In diesem Beitrag finden sich meine Tipps für Greenwich.

Besonders an einem Samstag lohnt es sich, einen Abstecher von Greenwich über den Deptford Creek hinüber nach Westen in den angrenzenden Stadtteil Deptford zu machen. Deptford gilt derzeit noch als Geheimtipp. Es soll ein bisschen sein wie in den frühen Tagen von Shoreditch, bevor dieser Stadtteil im Nordosten mit den zahlreichen alten Fabriken und Lagerhäusern von Designern, Start-Ups und Filmemachern besetzt wurde und sich zum hippen und teuren Ausgehviertel mit unbezahlbaren Mieten gewandelt hat. Laut Wikipedia gilt Shoreditch inzwischen als Beispiel für eine nahezu abgeschlossene Gentrifizierung.

Im September 2021 präsentierte sich die Deptford High Street in alter Ursprünglichkeit, wie man sie nicht mehr oft im Süden von London vorfindet. ©SCRITTI

Es lohnt sich also, den Bereich zwischen der Station Deptford Bridge der Dockland Light Railway (DLR) im Süden und der Bahnstation Deptford im Norden zu erkunden, beides nur jeweils eine Station vom Bahnhof Greenwich entfernt. Zwischen New Cross Road im Süden und Deptford Bahnhof verläuft schnurgerade die Deptford High Street.

Trotz auch hier sichtbarer Gentrifizierung haben viele Gebäude noch ihren ursprünglichen Charme, und es gibt noch sehr viele kleine Läden, die vom Halal-Metzger über den Afro-Friseur und Stoffladen mit phantastievollen, grellbunten Stoffen auf die Bedürfnisse der Bewohner der benachbarten Viertel zugeschnitten sind. Dazwischen finden sich Bars, internationale Restaurants und coole Cafés.

„London Spezial: Streetfood, Markt und maritimes Erbe in Deptford“ weiterlesen