Stadtspaziergang: Hinter den Kulissen in London Belgravia

Bei einem Stadtspaziergang durch die historischen Hinterhöfe im edlen Londoner Stadtteil Belgravia lassen sich ganz unerwartete Seiten von London entdecken.

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Im Juni 2024 haben wir an der neuen London Tour Belgravia: Behind the Facades der wunderbaren und wie immer bestens gelaunten Katie Wignall von Look Up London teilgenommen. Startpunkt der knapp zweistündigen Tour war an der U-Bahn Station Hyde Park Corner, und dann ging es durch verschiedene Mews und Hinterhöfe durch eher unbekannte Ecken des wohlhabenden Viertels Belgravia. Man konnte sehr schnell vergessen, dass man sich eigentlich im umtriebigen London gar nicht weit entfernt vom berühmten Buckingham Palace befindet.

Ländliche Idylle mitten in London: Der Pub The Grenadier in der Wilton Row. ©SCRITTI

Belgravia ist ein Stadtteil in den Bezirken City of Westminster und Royal Borough of Kensington and Chelsea im westlichen Zentrum von London zwischen Hyde Park, Green Park und Chelsea an der Themse. Es gibt hier relativ viele Botschaften und andere wichtige Institutionen in altehrwürdigen, in der Regel weiß getünchten Herrenhäusern. Man findet hier das vornehme London aus vergangenen Zeiten mit sauberen, ruhigen Straßen und typischen Wohnanlagen der Oberschicht. Die Hauspreise sind daher exorbitant und können bis zu 100 Millionen Pfund betragen. Insofern nutzen viele Reiche die Häuser von Belgravia eher als Investment, weshalb auch so viele davon leer stehen. Etwas unbeachtet fand sich hinter den eleganten Häuserzeilen der Platz für Pferde, Kutschen und das Dienstpersonal. Spannende Kontraste sind also bei diesem Stadtspaziergang durch die Geschichte Londons garantiert.

Stopp am Denkmal für Sir Robert Grosvenor: Fast ganz Belgravia gehörte einst der Grosvenor Familie, die die Ländereien für den Bau von Häusern zur Verfügung gestellt hat, wie Katie von Look Up London deutlich machte. ©SCRITTI

Entwickelt wurde das Gebiet im frühen 19. Jahrhundert durch  Richard Grosvenor, 2. Marquess of Westminster unter der Regie von Thomas Cubitt mit dem Fokus auf große herrschaftliche Häuser vor allem am Belgrave und Eaton Square.

Fast das gesamte Gebiet von Belgravia gehörte einst der Grosvenor Familie, und noch heute bestimmen die Erben mit der Immobiliengesellschaft Grosvenor Estate das Geschehen im Viertel.

Wilton Row, typisch für Belgravia: In den Mews befanden sich früher Ställe und Wohnungen des Dienstpersonals. ©SCRITTI

Belgravia zählt heute zu den wohlhabendsten und – wie bereits angemerkt – zu den teuersten Wohngegenden Londons. Bekannt ist das Viertel auch in Deutschland durch die TV-Serie Das Haus am Eaton Place aus den 1970er Jahren, die mich schon als Kind sehr beeindruckt und fasziniert hat. Diese spielt am Eaton Square in Belgravia und thematisiert sehr exemplarisch das Verhältnis zwischen der herrschaftlichen Familie Bellamy und ihrem Dienstpersonal in den Jahren zwischen 1903 und 1930, gespickt mit zahlreichen historischen Ereignissen.

Belgravia verfügt über zahlreiche Mews, was natürlich seinen wohlhabenden Bewohnern zu verdanken ist. Als Mews bezeichnet man eine Reihe oder einen Hof aus Ställen und Remisen mit darüber liegenden Wohnquartieren, die hinter den großen Stadthäusern errichtet wurden.

Kinnerton Street: Schöne Häuser, schöne Autos und man fühlt sich fast nach Griechenland versetzt. James Bond 007 hätte es sicher hier gefallen. Oder hat er gar hier gewohnt? ©SCRITTI

Dort wurden Pferde und Dienstpersonal wie Kutscher und Stallknechte der wohlhabenden Bewohner untergebracht. Das Wort Mews stammt von den Royal Mews in London, einer Reihe königlicher Stallungen, die vor 500 Jahren auf einem ehemaligen königlichen Falkenstall errichtet wurden. Inzwischen sind die meist kleineren und ruhig gelegenen Häuschen zu schicken Apartments, oft auch mit Garagen umgebaut und ebenso begehrte Immobilien. Sehr idyllisch sind vor allem Wilton Row nicht weit von Hyde Park Corner, Kinnerton Street, die dann auf die Motcomb Street führt, und um die Ecke Belgrave Mews.

Pantechnicon, ein früheres Arts & Crafts Warenhaus in der Motcomb Street, wird ein neuer Gourmet-Tempel. ©SCRITTI

Katie hat bei der Wanderung durch Hinterhöfe und Nebenstraßen zahlreiche spannende Geschichten zum Viertel und über diverse „Skandale“ der Bewohner*innen erzählt, die sich hinter den schicken Fassaden der heute durchgehend sanierten Häuser einst abgespielt haben. Nicht umsonst heißt die Tour ja Belgravia: Behind the Facades.

Motcomb Street in Belgravia, hier kann man die Seele baumeln und es sich gut gehen lassen. ©SCRITTI

Wie immer bei ihr standen dabei vor allem die Frauen und die Zurückgebliebenen im Fokus. Wie etwa der Lokführer, der als Opfer beim Großen Eisenbahnraub von 1963 sein Leben lang leiden musste. Oder vor dem Haus am Chester Square von Mary Shelley, die als Autorin von Frankenstein im Jahr 1818 Weltruhm erlangt hat, erzählte sie von der tragischen Lebensgeschichte dieser großen Frau.

Die Tour endete an den Eccleston Yards, einer weiteren versteckten Oase mit fabelhafter Gastro, kleinen Shops und Coworking Spaces in der Nähe vom Bahnhof London Victoria. Hier wurden ehemalige Industriegebäude und die dazugehörigen Höfe mit viel Liebe in ein elegantes und ansprechendes Ambiente verwandelt. So etwas können die Londoner ja besonders gut. Sonntags gibt es hier auch einen Farmers Market sowie weitere Veranstaltungen je nach Anlass. Die Entwicklung weiterer Gebäude mit einem Rooftop Restaurant ist geplant.

In der Tat: In die Hinterhöfe von Belgravia einzutauchen, ist wirklich eine gute Idee! ©SCRITTI

Wir haben bei der Tour wirklich zahlreiche Ecken gesehen, von denen wir nicht gedacht hätten, dass man diese im doch so poshen Belgravia finden könnte!

Katie bietet mit Look Up London unterschiedliche Touren zu verschiedenen Themen in der Regel am Wochenende an, meist zwei hintereinander. Geführte Touren für private Gruppen sind ebenfalls möglich. Termine zu den Touren finden sich auf Katies Webseite.

Jedes Jahr Ende Mai: Das Blumenfestival Belgravia in Bloom

Da das jährliche Festival Chelsea in Bloom inzwischen so erfolgreich ist, hat auch der Nachbarbezirk Belgravia nachgezogen und vor einigen Jahren zeitgleich ein eigenes Blumenfestival aufgelegt: Belgravia in Bloom.

London Belgravia in Bloom Haus Blumen Deko
Auch im Londoner Stadtteil Belgravia wird inzwischen ordentlich aufgefahren, um Geschäfte oder Hotels in ein Blütenmeer zu versetzen. ©SCRITTI

Auch hier wird mit floralen Installationen und Erlebnissen in Boutiquen und Restaurants und einem jährlichen Motto aufgewartet. Das Thema 2026 „Märchen von Belgravia“ soll einen Hauch von Magie in das Viertel bringen – mit Inszenierungen, die von Nostalgie, Fantasie und einem Zauber aus einer anderen Welt inspiriert sind. „Belgravia in Bloom“ findet 2026 vom 18. bis 24. Mai in Belgravia statt zeitgleich zu Chelsea in Bloom in Chelsea. Weitere Infos zu Chelsea in Bloom gibt es hier im Beitrag.

Der besondere Buchtipp: Auf eigene Faust durch London

In ihrem handlichen Buch Look Up London führt Tourguide Katie Wignall auf zehn Spaziergängen durch ganz besondere Viertel von London. ©Look Up London


In ihrem Buch Look Up London beschreibt Katie Wignall zehn Stadtrundgänge, die man auf eigene Faust unternehmen und dabei viel entdecken kann. Jeder Spaziergang konzentriert sich auf ein bestimmtes Viertel, beschreibt im Detail die Route und was es an Besonderheiten zu entdecken gibt. Es gibt Walks durch die City of London, Clerkenwell, Westminster, Marylebone oder entlang der Southbank. Einer der besonderen Walks führt über fünf Kilometer durch das historische Chelsea, das Nachbarviertel von Belgravia. Da Chelsea einst ein separates Küstendorf an der Themse war, ist es in den Augen von Katie noch heute ein idealer Ort, um dem Trubel der Innenstadt von London zu entgehen. An 37 markanten Punkten entlang der King’s Road und der Themse erläutert Katie die historischen Besonderheiten des Viertels.

London Chelsea Themse Albert Bridge Nacht
Ein besonderes Highlight in Chelsea ist die nachts kunstvoll beleuchtete historische Albert Bridge von 1874 über die Themse. ©SCRITTI

Zwischen den Spaziergängen gibt es von Katie verschiedene Top 10s etwa zu Architekturstilen in London, den besten historischen Pubs, Grünanlagen, unabhängigen Cafés oder den ungewöhnlichsten Museen. Das Buch kann über die Webseite von Katie oder Online-Buchläden bestellt werden.

Danke fürs Lesen des Beitrags!

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Autor: scritti

Freier Journalist, Author und Fotograf, Heilbronn / Berlin / London Experte für Mobilität und Klima, Bahn, Bus, Reisen, Architektur

2 Gedanken zu „Stadtspaziergang: Hinter den Kulissen in London Belgravia“

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