London Spezial: Das größte Silvester Feuerwerk Europas

Das Feuerwerk an Silvester in London ist ein grandioses und unvergessliches Spektakel. Man sollte einen Besuch der Show allerdings sorgfältig und rechtzeitig planen.

Jedes Jahr zum Jahreswechsel ist es wieder soweit: London erwartet hunderttausende Besucher zum alljährlichen Feuerwerksspektakel rund um das Riesenrad London Eye an der Themse. Tickets zu dem Event an Silvester (auf englisch: „New Year’s Eve Fireworks“) sind sehr schnell ausverkauft und waren 2024 für Nicht-Einheimische auch nicht mehr günstig.

Das New Year’s Eve Feuerwerk in London ist ein unvergessliches Erlebnis, das jedes Jahr Hunderttausende lockt. ©SCRITTI

Das Feuerwerk, ein Gesamtkunstwerk mit musikalischer Inszenierung, ist das größte in Europa und kann sich wirklich sehen lassen. 85 Teams arbeiten monatelang hinter den Kulissen daran, dass an Silvester alles rund läuft. Die Feuerwerkskörper werden von Booten und von 32 Positionen am London Eye aus abgefeuert. Pünktlich um Mitternacht mit den Glockenschlägen von Big Ben im Glockenturm von Westminster gegenüber vom London Eye geht es los. Weltweit verfolgen über 10 Millionen Zuschauer das Ereignis. BBC One sendet live im TV und auch über den BBC-Kanal auf Youtube. Ich war zum Jahreswechsel 2023/2024 zum ersten Mal vor Ort. Mein Fazit: Es war das beste Feuerwerk, das ich bislang gesehen habe! Vor allem hat ein einziges, sorgfältig inszeniertes Feuerwerk an einem zentralen Ort einen ganz anderen Charme als das sinnlose Rumgeböller über mehrere Stunden hinweg, wie es inzwischen in deutschen Städten üblich ist und wirklich vielen Menschen die Freude an Silvester vermiest. Wenn man das Feuerwerk in London besuchen und zugleich einen unbeschwerten Abend in der schönsten Stadt der Welt verbringen möchte, gibt es doch einiges zu beachten. Es ist wirklich davon abzuraten, ohne Ticket an Silvester in die Innenstadt von London zu kommen in der Hoffnung, irgendwo bequem etwas vom Feuerwerk sehen zu können. Das hat vielfältige Gründe.

Offiziell startet der Event um 20 Uhr, und es sind um diese Zeit auch schon sehr viele Menschen vor Ort, um sich die besten Plätze zu sichern. Wer direkt vorne an der Themse mit der besten Aussicht stehen will, der muss einen solchen Platz tatsächlich frühzeitig besetzen und darf bzw. kann ihn bis Mitternacht auch nicht mehr verlassen. Man muss sich also entsprechend vorbereiten und auf sehr lange Wartezeiten einstellen.

Silvester: Gegen 21:30 Uhr ist der Bereich vor dem Bahnhof Waterloo bis vor zur Themse bereits weiträumig abgesperrt, und es fahren auch keine Busse mehr. ©SCRITTI

Ich war kurzfristig noch im Premier Inn London Southwark in der Nähe der Themse untergekommen, um nicht durch die halbe Stadt fahren zu müssen, was sich im Nachhinein auch als gute Entscheidung herausgestellt hat. Allerdings hatte ich einen entscheidenden Punkt für die Zeit nach dem Feuerwerk nicht bedacht: Die Überquerung der Themse.

Jedenfalls war ich gespannt, was mich erwarten würde und war zunächst auch unsicher, zu welcher Uhrzeit ich meine Zone aufsuchen sollte. Ich entschied mich dann aber zum Glück dafür, erst mal in Ruhe im Hotel Restaurant (auch diesbezüglich sollte man frühzeitig planen und reservieren!) zu essen. Als ich gegen 21:30 Uhr vom Hotel im quirligen Stadtteil Southwark aufbrach, wurden bereits die ersten Sperren an den Querverbindungen zur Themse hin aufgebaut, und überall war Sicherheitspersonal unterwegs.

Wer am Silvesterabend in London vor dem Feuerwerk etwas zum Essen bekommen möchte, sollte lange im Voraus planen, auch im Hinblick auf die Zugangsbeschränkungen rund um die Innenstadt. ©SCRITTI

Ich bin dann mit dem Zug auf die andere Seite der Themse zum Bahnhof Charing Cross gefahren und von dort rüber zum Trafalgar Square, wo einer der Eingänge zur blauen Zone war. Dort waren bereits sehr viele Menschen unterwegs, die offenbar ohne Tickets für das Feuerwerk die Hoffnung hatten, irgendwie einen Zugang zum Themseufer zu bekommen. Dies war aber absolut unmöglich. Hohe Bretterwände sperrten alles ab, und es gab nur einen schmalen Durchlass für Ticketinhaber. Auf dem Weg zum Themseufer wurden an mehreren Stellen die Tickets und die Taschen kontrolliert. Es ist erlaubt, Getränke mitzubringen. Am Themseufer angekommen, war es im nördlichen Bereich bei der Charing Cross Brücke auch nicht zu voll. Dort gab es neben Dixie Klos zwei, drei Stände mit Getränken und Snacks, aber wirklich nichts Herausragendes und zudem mit langen Schlangen davor.

Die Stimmung war jedenfalls ausgelassen, und das ganze Areal wurde mit großen Lautsprechern mit Musik beschallt. Es gab Partymusik und einen DJ, der zwischendurch die Stimmung anheizte. Sitzgelegenheiten gab es in diesem Bereich kaum, so dass man nur herumlaufen oder herumstehen konnte. Ich war daher wirklich froh, dass ich mir trotz Plustemperaturen kurzfristig bei Marks & Spencer im Bahnhof Waterloo noch Thermosocken und eine wärmende Mütze besorgt hatte.

Teure Aussicht: Das Corinthia Hotel liegt innerhalb der blauen Zone am Themseufer. Ein Hotelzimmer an Silvester kann in dieser Gegend über 1.000 Euro kosten – pro Nacht. ©SCRITTI

Ich war etwas lose mit Freunden verabredet, und habe dann versucht, diese zu finden, was sich allerdings sehr schnell als unmöglich herausstellte. Je näher ich an den Bereich gegenüber vom London Eye kam, desto voller wurde es. Und irgendwann war eigentlich kein Durchkommen mehr. Weder zum Themseufer noch ans andere Ende der Zone in Richtung Westminster.

Kein Mobilfunknetz

Ein zusätzliches Problem war, dass das Mobilfunknetz komplett überlastet war. Es war teils nicht möglich, Nachrichten zu senden oder gar zu telefonieren, um sich tatsächlich zu treffen. Und in der Masse der Menschen konnte man auch keine zwei Meter weit sehen, um jemanden Bestimmtes zu erkennen. Ich bin dann relativ schnell wieder zurück in den Bereich neben der Charing Cross Brücke, wo es halbwegs luftig und überschaubar war. Da stand ich dann letzten Endes immer noch über eine Stunde herum und wartete, bis es Mitternacht war und das Feuerwerk endlich los ging.

Phantastische Inszenierung: Das Silvester Feuerwerk am Themseufer. ©SCRITTI

Als das Feuerwerk um Mitternacht zum Glockenschlag von Big Ben einsetzte, hat man von diesem Bereich aus wirklich alles gut gesehen und auch die entsprechende Musik und die Erzählungen zum Jahresrückblick dazu gehört. Es gibt jedes Jahr einen eigenen, passenden Soundtrack zum Feuerwerk. Das ganze Spektakel dauerte knapp 15 Minuten. Es war wirklich unglaublich toll und berührend, da ja 2023 auch König Charles III gekrönt worden war und dies für die Briten ein ganz besonderer Moment war. Für mich war dies das beste Feuerwerk, dass ich jemals gesehen habe. Es war eine wahnsinnig tolle Inszenierung mit dem London Eye im Zentrum. Dazu gab es passende Musik, teilweise auch klassisch, die die verschiedenen Feuerwerksbilder untermalte. Unter anderem lief auch von Louis Armstrong „What a Wonderful World“. Da musste ich dann doch die ein oder andere Träne verdrücken. Zumal es schon ein sehr bewegender Moment war, das neue Jahr mit solchem Pomp in internationaler Gesellschaft in der Lieblingsstadt zu begrüßen.

Grande Finale beim Silvester Feuerwerk in London. ©SCRITTI

Nächtliche Wanderungen

Nach dem Ende des Feuerwerks wurde es allerdings anstrengend, da sich natürlich fast alle Leute gleichzeitig in Richtung der Ausgänge bewegten. Ich habe auch relativ schnell den Weg zurück zum Trafalgar Square gesucht und dachte in meiner Naivität, dass ich dort einfach in eine U-Bahn oder in den Zug zurück auf die andere Seite der Themse zum Hotel in Southwark einsteigen könnte. Rund um Trafalgar Square war jedoch überall Polizei, und fast alle Wege waren gesperrt.

Menschenmassen strömen vor dem gesperrten Bahnhof Charing Cross in eine Richtung. ©SCRITTI

Auch sämtliche U-Bahnhöfe in der weiteren Umgebung und der Bahnhof Charing Cross waren geschlossen. Mir blieb nur, mich mit den Menschenmassen entlang der Straße The Strand nach Norden in Richtung London Bridge treiben zu lassen. Einen anderen Weg gab es nicht.

Nach dem Feuerwerk: Völkerwanderungen quer durch London. ©SCRITTI

Es war wirklich wie am Volkswandertag. Als wir schließlich das Somerset House erreicht hatten, war zum Glück die Waterloo Bridge wieder geöffnet, so dass man von hier aus die Themse überqueren konnte. Zur Belohnung gab es wenigstens nochmals tolle Ausblicke auf die Themse, das London Eye und Westminster mitten in der Nacht.

Happy New Year: London, 1. Januar 2024 gegen 1 Uhr. ©SCRITTI

Der Zug der Massen ging weiter, und auf der anderen Seite war auch alles rund um den Bahnhof Waterloo abgesperrt. Auch hier gab es nur eine Hauptroute, die dann parallel zur Themse weiter Richtung Bahnhof London Bridge führte. Sämtliche Querverbindungen waren weiterhin mit Sicherheitspersonal abgesperrt, so dass man eigentlich fast nur geradeaus laufen konnte. Nachdem es ein paar Leuten an einer Seitenstraße gelungen war, die Absperrung zu umgehen, habe ich mich diesen angeschlossen und bin so auf relativ direktem Weg wieder zum Hotel an der U-Bahn-Station Southwark gekommen.

Auf dem ganzen Weg war eigentlich nicht viel zu machen, da fast alles geschlossen war. Nur hier und da war noch ein einzelner Pub geöffnet, und der eine oder andere hat die Gruppe der Wandernden verlassen. Vor der U-Bahn Station Southwark war ebenfalls die Hölle los. Hier pilgerten die Menschen in die entgegengesetzte Richtung nach Süden. Es waren Polizisten auf Pferden im Einsatz, die die Menschenmassen überwachten. Ich habe noch nie bei Tag erlebt, dass dort so viele Menschen unterwegs waren wie mitten in der Nacht am Neujahrsmorgen. Aber immerhin: Ich hatte es in etwas über einer Stunde zurück zum Hotel geschafft und konnte nun beruhigt auf mein Zimmer gehen. Falls ich jemals wieder das Feuerwerk in London besuchen sollte, werde ich jedenfalls darauf achten, dass sich mein Hotel und die Zuschauerzone auf der gleichen Seite der Themse befinden und beides fußläufig erreichbar ist.

Im Youtube Kanal von BBC gibt es das London Feuerwerk vom 1.1.2025 in voller Länge.

Tipps zum Besuch des New Year’s Eve Feuerwerks in London

Tickets: Ein Besuch des Silvester Feuerwerks ohne Tickets ist nicht möglich. Es wird von offizieller Seite auch immer wieder davon abgeraten, ohne Ticket überhaupt in die Nähe der Innenstadt kommen zu wollen. Tickets zu Preisen von £20 bis £50 (Stand 2024) werden über die offizielle Webseite des Mayor of London verkauft. Einheimische erhalten einen Rabatt von £15 je Ticket. Der Verkauf startet wenige Wochen vor Jahresende. Auf der Webseite werden alle Fragen rund um das Feuerwerk beantwortet. Man kann sich auch in einen Newsletter eintragen, um den Verkaufsstart für das kommende Jahr rechtzeitig mitzubekommen.

Bereiche für Zuschauer: Es gibt sechs farblich markierte Zonen rund um das London Eye auf beiden Seiten der Themse und der angrenzenden Brücken mit jeweils separaten Zugängen. Ticketpreise unterscheiden sich je nach Zone.

Hin- und Zurückkommen: Das Hinkommen in den Bereich des Feuerwerks vor 22 Uhr ist meist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch möglich. Kompliziert wird es jedoch nach der Veranstaltung, wenn alles weiträumig abgesperrt ist und es nur noch bestimmte Korridore gibt, über die die Menschenmassen je nach Richtung geschleust werden. Es gibt weder Taxis noch Uber, und es bleibt nicht viel übrig, als mit den Massen lange Wege zu laufen. Daher kann es durchaus Stunden dauern, bis man seine Unterkunft wieder erreicht hat. Also rechtzeitig planen über die Transport for London Webseite.

Passende Kleidung: Man sollte sich auf eine lange Wartezeit im Freien in der Kälte einstellen und für entsprechend warme Kleidung inklusive wärmende Strümpfe sorgen. Das Mitbringen von Getränken und Snacks ist erlaubt.

Alternativen: Alternative Möglichkeiten, um das Feuerwerk zu sehen, sind Rooftop Bars, Restaurants mit Aussicht oder Schiffstouren, die jedoch alle meist hochpreisig und auch schnell ausgebucht sind. Eine Übersicht gibt es bei Visit London. Ein beliebter Aussichtspunkt für das Feuerwerk war bislang Primrose Hill im Norden der Stadt. Zum Jahresende 2024 ist der entsprechende Park jedoch gesperrt.

Neujahrstag: Nach einem unvergesslichen New Year’s Eve gibt es weitere Aktivitäten am New Year’s Day.

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Autor: scritti

Freier Journalist und Fotograf, Südwestdeutschland Fachmann für Verkehr, Bahn, Bus, Reisen

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