Grüne Oasen: Die Flora, historische Gartenbaukunst mitten in Köln

Die Flora, der Botanische Garten in Köln nach Plänen von Peter Joseph Lenné, bietet im Sommer Schatten und Abkühlung in teils tropischem Ambiente.

Gegenüber des Kölner Zoos nicht weit vom Rhein entfernt befindet sich im Stadtteil Riehl eine grüne Oase mitten in der Großstadt: Die Flora, ein fast 160 Jahre alter Botanischer Garten nach den Plänen des berühmten Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné mit dem palastartigen Flora-Gebäude mittendrin. Hier kann man herrlich entspannen und etwas Ruhe finden und sich dabei von mehr als 10.000 Pflanzen aus aller Welt inspirieren und verzaubern lassen. Vor allem im Sommer, wenn es in Zeiten des Klimawandels auch in Köln unerträglich heiß und stickig werden kann, findet man ein paar kühle und schattige Plätzchen am Wasser inklusive eines kleinen Wasserfalls. Der Eintritt ist frei.

Erinnert fast ein bisschen an das Taj Mahal: Blick auf die Flora mit der Kaskada nach italienischem Vorbild. ©SCRITTI

In dem weiträumigen Gelände gibt es verschiedene Themengärten unter anderem mit Kamelien, Rosen oder Dahlien, dazu einen Duftgarten mit unterschiedlichsten Kräutern und großen Lavendel- und Rosmarinbüschen. Sie zeigen auch, wie sich Gartenkunst und das Verständnis von Landschaftsgärtnerei über 150 Jahre verändert haben. Hinzu kommen Wasseranlagen und verschiedene Gewächshäuser.

Am Eingang zum Botanischen Garten bietet sich ein fast schon barocker Blick auf das neue Flora-Gebäude und die Gartenanlage. ©SCRITTI

Mitten im Park und gleich gegenüber des Eingangs liegt das Gebäude der Flora, das früher ein Palmenhaus war und 2011 bis 2014 vollständig entkernt und als Veranstaltungssaal mit historischer Silhouette neu aufgebaut wurde. Hier gibt es auf der Terrasse das Gartenlokal Dank Augusta, das aktuell im Sommer 2022 leider nur von Mittwoch bis Sonntag geöffnet ist. Mitten im Botanischen Garten gelegen bietet das Flora-Gebäude ein ganz besonderes Ambiente für Veranstaltungen und Events aller Art. Es gibt verschiedene Säle und Salons, die für besondere Ereignisse gemietet werden können.

Ein besonderes Highlight ist auch das kleinere Gewächshaus, in dem es unterschiedliche Sorten von Farnen gibt. Darunter auch Riesenfarne, die von weitem aussehen wie eine Palme mit riesigen Wedeln. Farne gehören zu den ältesten Pflanzen auf diesem Planeten und haben stets etwas Faszinierendes mit den filigranen, fast schon kunstvollen Blättern. Es gibt sie in unzähligen Formen und Größen von ganz klein am Boden wachsend bis zum großen Baum. 

Im hinteren Bereich des Botanischen Gartens entstehen aktuell neue Gewächshäuser, die noch bepflanzt werden müssen und voraussichtlich 2023 eröffnet werden. ©SCRITTI

Die Flora hat sich nicht immer in solcher Pracht präsentiert, wie es heute wieder der Fall ist. Hervorgegangen ist der Park aus einer Aktiengesellschaft, die 1863 für den Bau eines „Botanischen Lust- und Ziergartens“ gegründet wurde. Bei der Gestaltung der Anlage verband Peter Joseph Lenné typische Gartenkunst europäischer Länder zu einem architektonischen Gesamtkunstwerk. Der vom Architekten Max Nohl geschaffene palastartige Wintergarten aus Eisen und Glas orientierte sich unter anderem am Beispiel des Londoner Crystal Palace. Im Zweiten Weltkrieg hat auch die Flora schwer unter den Zerstörungen gelitten. Beim Wiederaufbau des Gartens wurden dem damaligen Zeitgeist entsprechend zahlreiche Gebäude und Anlagen des Historismus abgerissen und zerstört. Zeitweise wurde sogar die Schließung des Botanischen Gartens diskutiert. Im Juli 1980 wurde die gesamte Flora jedoch in die Denkmalliste der Stadt Köln aufgenommen. Ende der 1980er Jahre wurde schließlich damit begonnen, das historische Erscheinungsbild nach und nach wieder herzustellen. Das als Kongresszentrum wieder aufgebaute Palastgebäude wurde erst 2014 eröffnet. 2018 wurden die baufälligen Gewächshäuser aus den 1950er Jahren abgetragen. Voraussichtlich 2023 sollen die neu gebauten, deutlich höheren Schaugewächshäuser fertig sein. Die gesamte Geschichte der Flora kann man ausführlich auf Wikipedia nachlesen.

Optischer Orientierungspunkt im Norden ist die genau in der Flucht der Gartenanlage, hinter einem Teich aufragende Felsengruppe des Alpinums, über die sich ein künstlicher Wasserfall in den Seerosenteich ergießt. Durch den Wasserfall und den See entsteht ein Mikroklima, in dem typische Alpenflora ideal gedeiht.

Seerosenteich mit Wasserfall im nördlichen Bereich des Botanischen Gartens. ©SCRITTI

Nach dem Besuch des Botanischen Gartens kann man noch den benachbarten Kölner Zoo besichtigen oder mit der Kölner Seilbahn über den Rhein hinweg auf die andere Seite zum Rheinpark fahren, wo 1957 und 1971 Bundesgartenschauen stattfanden. Die Seilbahn wurde bereits 1957 zur ersten Bundesgartenschau in Köln eröffnet und verbindet seitdem zuverlässig die beiden Stadtteile. Eine Fahrt mit der Seilbahn steht auch noch auf meiner Liste, zumal ja in einigen deutschen Städten im Rahmen der Verkehrswende der Neubau von Seilbahnen diskutiert wird.

Autor: scritti

Freier Journalist und Fotograf, Südwestdeutschland Fachmann für Verkehr, Bahn, Bus, Reisen

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