London Spezial: Streetfood, Markt und maritimes Erbe in Deptford

Nicht weit entfernt vom touristischen Trubel von Greenwich kann man in Deptford noch ein Stück ursprüngliches Süd-London mit seiner bunten Vielfalt und Kreativität finden.

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Mein Lieblingsstadtteil von London ist definitiv Greenwich im Osten südlich der Themse. Es ist eine kleine, bezaubernde Welt für sich mit zahlreichen Restaurants, Bars, kleinen Läden, dem National Maritime Museum und natürlich dem großen Park, dem Observatorium auf dem Hügel und dem beeindruckenden Segelschiff „Cutty Sark“ direkt am Ufer der Themse. In diesem Beitrag finden sich meine Tipps für Greenwich.

Besonders an einem Samstag lohnt es sich, einen Abstecher von Greenwich über den Deptford Creek hinüber nach Westen in den angrenzenden Stadtteil Deptford zu machen. Deptford gilt derzeit noch als Geheimtipp. Es soll ein bisschen sein wie in den frühen Tagen von Shoreditch, bevor dieser Stadtteil im Nordosten mit den zahlreichen alten Fabriken und Lagerhäusern von Designern, Start-Ups und Filmemachern besetzt wurde und sich zum hippen und teuren Ausgehviertel mit unbezahlbaren Mieten gewandelt hat. Laut Wikipedia gilt Shoreditch inzwischen als Beispiel für eine nahezu abgeschlossene Gentrifizierung.

Im September 2021 präsentierte sich die Deptford High Street in alter Ursprünglichkeit, wie man sie nicht mehr oft im Süden von London vorfindet. ©SCRITTI

Es lohnt sich also, den Bereich zwischen der Station Deptford Bridge der Dockland Light Railway (DLR) im Süden und der Bahnstation Deptford im Norden zu erkunden, beides nur jeweils eine Station vom Bahnhof Greenwich entfernt. Zwischen New Cross Road im Süden und Deptford Bahnhof verläuft schnurgerade die Deptford High Street.

Trotz auch hier sichtbarer Gentrifizierung haben viele Gebäude noch ihren ursprünglichen Charme, und es gibt noch sehr viele kleine Läden, die vom Halal-Metzger über den Afro-Friseur und Stoffladen mit phantastievollen, grellbunten Stoffen auf die Bedürfnisse der Bewohner der benachbarten Viertel zugeschnitten sind. Dazwischen finden sich Bars, internationale Restaurants und coole Cafés.

In der bunten Deptford High Street pulsiert das ganz normale Alltagsleben. ©SCRITTI

Jeden Mittwoch, Freitag und Samstag findet sich entlang der High Street zudem ein Markt mit vielen Ständen, an denen es zwischen 7 und 17:30 Uhr von Schuhen über Stoffe, Taschen, Bettwäsche bis zu Fisch und Gemüse alles zu kaufen gibt. Die genauen Zeiten für den Markt finden sich auf der Webseite des Lewisham Councils.

Am nördlichen Ende der High Street geht es dann links zum Deptford Market Yard, auf dem seit April 2018 samstags von 10 bis 16 Uhr mit Deptford Bites ein Streetfood Markt direkt neben der Bahnstation Deptford stattfindet. Es duftet köstlich und verführerisch, und man kann an zahlreichen Ständen Streetfood aus aller Welt verkosten.

Es finden sich auch Stände mit Craft Beer, Design und Kunsthandwerk, Live-Musik und einige feste Läden und Cafés in den gemauerten Bögen neben den Bahngleisen.

Gleich nebenan gibt es rund um das Theater The Albany samstags auch einen großen Flohmarkt, wo man noch das eine oder andere Schnäppchen machen und zum Beispiel noch echte LPs aus den 1970ern finden kann. Der Flohmarkt findet in der Regel im Zusammenhang mit dem normalen Street Market statt. Weitere Tipps, welche Bars und Restaurants man in Deptford auf keinen Fall verpassen sollte, finden sich auch bei Time Out (Beitrag von 8/2022).

Ein Ausflug in die Geschichte von Deptford

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In der Albury Street in Deptford finden sich noch historische Gebäude aus dem frühen 18. Jahrhundert, deren Geschichte Katie Wignall bei ihrer Tour erläutert. ©Look Up London

UPDATE 2025: Stadtführerin Katie Wignall von Look Up London, deren London Rundgänge ich an anderer Stelle mehrfach empfehle wie etwa die Tour durch Belgravia, bietet ab September 2025 auch eine Tour durch das historische Deptford an. Der Name Deptford kommt ursprünglich von „deep ford“, eine tiefe Furt, an der der Fluss Ravensbourne in die Themse mündet, heute auch der Deptford Creek an der Grenze zu Greenwich. Der Ort blickt auf eine lange maritime Geschichte zurück und hat im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erlebt. König Heinrich VIII. gründete hier 1513 eine Werft, und später brachen von hier zahlreiche Schiffe zu Expeditionen auf allen Weltmeeren auf. Auch unterhielt die Britische Ostindien-Kompanie ab 1607 ein Lager im Hafen und baute hier bis Ende des 17. Jahrhunderts ihre eigenen Schiffe. Hier lebten Menschen mit Verbindungen zu den Deptford Docks, Schiffsbaumeister, Kapitäne und Kaufleute. Deptfords Rolle als industrielle Großmacht hielt bis ins 19. Jahrhundert an, als die High Street – auch bekannt als die „Oxford Street Südlondons“ – zum pulsierenden Herzen der Gegend wurde. Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und nicht zuletzt die extensiven Planungen der Nachkriegszeit haben den Stadtteil unwiderruflich verändert. Doch man kann auch heute noch einen Blick auf Deptfords Vergangenheit werfen. Die Tour von Look up London durch Deptford führt durch die Straßen des 18. Jahrhunderts, den Themseweg und einen alten Friedhof und folgt den gepflasterten Straßen, die schon Christopher Marlowe, John Evelyn und Peter dem Großen vertraut waren. Vor allem Albury Street, die im Norden von der Deptford High Street abzweigt, hat die zahlreichen Zerstörungen überlebt und wirkt heute wie ein Zeitreise-Portal in eine andere Zeit. In diesem Blog Beitrag erzählt Katie von der Geschichte der Straße und Deptford.

Etwas Window Shopping in Deptford (January 2025)

Gastro-Tipps für Deptford

Das Wesentliche an Gastronomie findet sich am Nordende der Deptford High Street rund um den Platz unter dem Bahnhof und am Südende am Übergang zum Deptford Broadway und zur DLR Station Deptford Bridge.

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London Velo Café in Deptford

London Velo war ein nettes kleines alternatives Bike-Café mit angeschlossener Fahrradwerkstatt und Innenhof am südlichen Ende der Deptford High Steet. Kaffee, Breakfast, Sandwiches, veganer Lunch, Wifi zum Arbeiten im Internet in unkomplizierter Atmosphäre. UPDATE 2024: Leider ist London Velo inzwischen dauerhaft geschlossen.

Etwas weiter oben beim Zugang zum Deptford Market Yard befand sich das Restaurant Hullabaloo mit indischem Streetfood. Küchenchef Baloo, der im Sterne-Restaurant Tamarind in Mayfair gearbeitet hat, hat hier seinen Traum von einer kleinen Oase mit authentischem veganem und vegetarischem Streetfood aus Indien verwirklicht. UPDATE 2024: Das Restaurant Hullabaloo ist inzwischen ins Zentrum von Greenwich umgezogen!

Am nördlichen Ende in Verlängerung der Deptford High Street befindet sich ein wirklich cooler Pub, auf den ich über #londonpubexplorer gestoßen bin:  The Dog and Bell in Deptford. Man findet ihn in der 116 Prince St, London SE8 3JD, wenn man der Deptford High Street und anschließend der Watergate Street weiter in Richtung Themse folgt, wo sich früher weitere Werften befanden. Im Juli 2019 konnte ich den Pub dann persönlich in Augenschein nehmen.

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Autor: scritti

Freier Journalist und Fotograf, Südwestdeutschland Fachmann für Verkehr, Bahn, Bus, Reisen

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