Wo: Beaconsfield, Buckinghamshire
Anreise: Mit Chiltern Railways mehrmals pro Stunde von London Marylebone bis Beaconsfield (ca. 25-35 Minuten Fahrt), Oyster Card gilt nicht!
Besonderheit: Großbritanniens älteste Open Air Miniaturwelt im Stil der 1930er Jahre im Maßstab 1:12 bzw. 1:32
Öffnungszeiten: Von Februar bis November täglich 10-17:30 Uhr, Ticketpreise aktuell Erwachsene £14, Familien ab £28
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Knapp 40 Kilometer vom Zentrum Londons entfernt findet sich auf dem Weg nach Oxford und Birmingham in Beaconsfield in Buckinghamshire ein ganz besonderes historisches Kleinod: Die älteste Miniaturwelt Großbritanniens! Bereits 1929 wurde Bekonscot Model Village & Railway zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und bezeichnet sich daher sogar als das „älteste originale Modelldorf der Welt“. Auf einer Fläche von rund 1,5 Hektar findet sich heute eine wunderbare Miniaturwelt aus gepflegten, grünen Gärten, fein detaillierten Modellgebäuden (meist im Maßstab 1:12) und historischen Modellbahnen der Spur 1 (im Maßstab 1:32), die zwischen Koniferen, Felsen und Teichen ihre Runden durch ein Großbritannien zur Zeit der 1930er Jahre drehen. Besonderes Highlight sind einige herausragende, typische Gebäude im Art Deco Stil, die das Lebensgefühl der Zeit widerspiegeln. In Großbritannien ist Bekonscot so bekannt, dass es im TV sogar schon als Krimi-Kulisse mit einem Mordfall inmitten der Miniaturwelt diente. Und auch der Ort Beaconsfield selbst dient immer wieder als Kulisse für die Ermittlungen von Inspektor Barnaby in der TV-Serie Midsomer Murders.

Beaconsfield ist bequem mit den Zügen von Chiltern Railways vom Bahnhof London Marylebone aus in rund 30 Minuten erreichbar. Ein Fußweg von etwa zehn Minuten führt einen vom Bahnhof in das beschauliche Örtchen und zur Miniaturwelt, die etwas unscheinbar im Wohngebiet hinter Privathäusern versteckt liegt. Dies ist nicht verwunderlich, entstand die Modellwelt doch in den 1920er Jahren im Garten des wohlhabenden Londoner Buchhalters Roland Callingham in Zusammenarbeit mit seinem Gärtner W. A. Berry.

Callingham hatte das Gelände gekauft, um ursprünglich mal einen Teich und Tennisplätze für die Belustigung seiner Kollegen aus der Londoner High Society anzulegen. Doch es kam schließlich alles anders als gedacht.
Nach der Überlieferung stellte 1928 Callinghams Ehefrau ein unerwartetes Ultimatum: „Entweder die Modellbahn verlässt das Haus oder ich!“ So kam es, dass im Garten eine Modelleisenbahn mit damals bereits 366 Metern an Gleisen rund um ein idealisiertes Englisches Dorf herum mit einer Kirche, einer High Street, Bahnhöfen und elektrischer Beleuchtung entstand. Und das Schicksal der Familie Callingham auf Jahrzehnte hinaus eine unerwartete Wendung nahm. Der Erfolg stellte sich schnell ein.

Es wurden zudem Koniferen gepflanzt und in Form gebracht, damit sie realen Bäumen ähnelten, und Steine zu Hügeln und Bergen aufgestapelt. Bereits nach vier Jahren war die Miniaturwelt eine echte Attraktion und so beliebt, dass sie ab 1933 von April bis September mehrere Tage in der Woche geöffnet hatte, wobei damals die Züge nur an Sonntagen ihre Runden drehten.

Dabei stand von Anfang an stets der Spaß an der Sache im Vordergrund und weniger die Authentizität, wenngleich sich viele Gebäude auch später noch an konkreten Vorbildern orientierten. Vor allem die verschiedenen modernen Gebäude im Stil des damals beliebten Art Deco, die sich an unterschiedlichen Ecken der Anlage wiederfinden.
Es gibt sogar tatsächliche reale Vorbilder wie das Haus von Kinderbuch Autorin Enid Blyton, die 1938 mit ihrer Familie nach Beaconsfield gezogen war. Heute besteht Bekonscot eigentlich aus sieben verschiedenen Orten, die jeweils einen eigenen Schwerpunkt und Charakter haben mit Dorfbewohnern und lokalen Besonderheiten von Kohlegruben über herrschaftliche Schlösser, Flugplätze, Bauernhöfe, Docks, Seilbahnen, Rennbahnen bis zu entflohenen Sträflingen.

Auch die Modellbahn ist bis heute ein wichtiger Teil der gesamten Anlage, die seit über 90 Jahren liebevoll gehegt und gepflegt wird. Es fahren epochengerechte Züge unterschiedlichen Alters, darunter wirklich historische Modelle, die bis heute funktionieren. Mehr Info zur Modellbahn mit insgesamt rund 450 Metern an Gleisen sowie ein Gleisplan findet sich auf der Bekonscot Webseite.



Im April 1934 kam sogar die junge Elizabeth II an ihrem achten Geburtstag zu einem Besuch nach Bekonscot, wovon heute noch historische Fotos auf der Anlage zeugen.

Schnell wurde die Idee des Baus von Miniaturwelten immer beliebter, und andere Orte in Großbritannien, insbesondere auch Seebäder, folgten dem Beispiel von Bekonscot, vor allem um Besucher und Touristen anzulocken. Nur wenige dieser Anlagen haben allerdings bis heute überlebt und den Unbilden von Wind und Wetter auf Dauer standgehalten.







Heute ist Bekonscot ein fester Bestandteil britischer Kultur und die inzwischen über 16 Millionen Besucher seit der Eröffnung genießen die idealisierte Version eines Englands „der guten alten Zeit“. Nicht umsonst wirbt Bekonscot für sich selbst: „Tauchen Sie ein in eine Zeitreise der 1930er Jahre und erleben Sie England, wie es einmal war, und entdecken Sie eine wunderbare kleine Welt abseits der Hektik des Alltags.“








SCHON GEWUSST: Die Entstehung von Miniaturlandschaften lässt sich bis ins sechste Jahrhundert nach Japan zurückverfolgen. Dort ließ im Jahr 612 Kaiserin Suiko einen Miniaturgarten anlegen mit einem Miniaturberg, der in hinduistischen und buddhistischen Legenden als Zentrum des Universums gilt. Nicht umsonst wurden in Japan die berühmten Bonsai Miniaturbäume erfunden. Im 20. Jahrhundert wurde die Kultur Japans auch im Westen populär, und die ersten Miniaturgärten entstanden in Großbritannien.
Model Villages by Tim Dunn, Reihe Britain’s Heritage
Bekonscot führt bis heute die von Callingham begründete Tradition fort, Besucher im Ort willkommen zu heißen und wohltätige Zwecke zu unterstützen. Jedes Jahr werden überschüssige Einnahmen an eine Reihe hauptsächlich lokaler Wohltätigkeitsorganisationen und für wohltätige Zwecke gespendet. Bisher kamen so über 5,5 Millionen Pfund zusammen. Mehr Hintergrund zu den einzelnen Orten in Bekonscot, ihrer Geschichte, ihren Besonderheiten und zu den Gebäuden findet sich auf der Bekonscot Webseite. Man könnte an dieser Stelle noch endlose Geschichten über die älteste Miniaturwelt in Großbritannien erzählen und die zahlreichen, liebevoll ausgestalteten Szenen aus dem ganz normalen Leben, die teils auch innerhalb der Gebäude versteckt sind. Doch der beste Tipp ist, einfach selbst hinzufahren und sich vom England der 1930er Jahre in Miniatur verzaubern zu lassen.
Bekonscot und Beaconsfield als Krimi-Kulisse für Inspektor Barnaby
Übrigens wurden auch schon mehrfach Episoden der beliebten Krimiserie Inspector Barnaby im beschaulichen Beaconsfield gedreht, wie in Ingos England-Blog im Beitrag Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Beaconsfield in Buckinghamshire zu lesen ist. Vor allem historische Pubs und Gebäude tauchen immer wieder in der TV-Krimiserie (im englischen Original Midsomer Murders) auf, wenn Inspektor Barnaby im gar nicht so beschaulichen englischen Landleben ermittelt. Episode 71 (Staffel 12, Folge 05) mit dem Titel Small Mercies (in der deutschen Version „Böse kleine Welt“ ) spielt sogar direkt in Bekonscot Model Village. Die Episode beginnt mit einem Mord in einem Modelldorf, wo der Täter sein Opfer fest auf dem Boden verzurrt und dann getötet hat. In der ZDF Mediathek finden sich je nach Staffel Folgen aus der britischen Krimi-Serie Inspektor Barnaby, zeitweise auch die Folge „Böse kleine Welt„. Beschreibung des Senders: „Große Aufregung in Midsomer Worthy: Im Miniaturdorf, der örtlichen Sehenswürdigkeit, liegt ein junger Mann, an den Boden gefesselt und von Miniaturfiguren umstellt wie Gulliver in Liliput.“

Es gibt auch Sightseeing Touren zu den bekanntesten Drehorten von Midsomer Murders in Buckinghamshire und den Chilterns von verschiedenen Anbietern, teils auch von London aus. Man kann aber auch selbst auf Spurensuche gehen nach den Top 10 Locations von Midsomer Murders in den Chilterns, zu denen natürlich auch Beaconsfield und Bekonscot Village gehören. Einen entsprechenden Plan dazu gibt es hier zum Download.
Der besondere Buchtipp: Die Geschichte der Miniaturwelten

Über die Entstehung und Geschichte von Miniaturwelten in Großbritannien gibt es ein schönes kleines Büchlein in der Reihe Britain’s Heritage von Tim Dunn bei Amberley Publishing: Model Villages, das auch Bekonscot auf dem Titel führt. Tim Dunn ist (nicht nur) in Großbritannien bekannt als Historiker, Autor, Journalist und Moderator von TV Serien über die Londoner U-Bahn (Hidden London Underground) oder berühmte Eisenbahnarchitektur. Tim Dunn hat auch einen eigenen Blog zum Thema Miniaturwelten in Großbritannien eingerichtet, der weiteren Hintergrund zum Thema enthält, allerdings schon länger nicht mehr aktualisiert wird.
Danke fürs Lesen des Beitrags!
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Ein Gedanke zu „Bekonscot Model Village: Zeitreise in ein ideales England der 1930er Jahre in Miniatur“