Private Westbahn steigt in Hochgeschwindigkeitsverkehr ein – bald auch Fahrten in Deutschland?

Die private WESTbahn expandiert weiter und steigt in den Verkehr mit Hochgeschwindigkeitszügen im Süden Österreichs ein. Diese könnten künftig auch auf deutschen Schnellfahrstrecken unterwegs sein.

WESTbahn SMILE Hochgeschwindigkeitszug

Wie die private WESTbahn aus Österreich und der Fahrzeughersteller Stadler Rail jetzt bekannt gaben, wird die WESTbahn bereits im März 2026 in den Hochgeschwindigkeitsverkehr zunächst innerhalb von Österreich einsteigen. Zu diesem Zweck hat die WESTbahn bei Stadler Rail drei 250 km/h schnelle Hochgeschwindigkeitszüge des Typs SMILE bestellt. Diese entsprechen weitgehend den seit 2020 bei den Schweizer Bundesbahnen (SBB) als Giruno (Baureihe RABe 501) verkehrenden, mehrsystemfähigen Hochgeschwindigkeitszügen zwischen der Nordschweiz und Italien. Bei der WESTbahn sollen die bewährten Züge bereits ab März 2026 auf der Strecke Wien – Graz – Klagenfurt – Villach zum Einsatz kommen und den Fahrgästen höchsten Reisekomfort bieten. Auch für Fahrgäste aus Süddeutschland werden sich damit neue und voraussichtlich preiswerte Reisemöglichkeiten ergeben, zumal die WESTbahn auch das Deutschlandticket anerkennt und entsprechend ermäßigte Tickets für ihre internationalen Fernverbindungen verkauft.

WESTbahn Stadler Rail SMILE Hochgeschwindigkeitszug
So sollen die neuen Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ SMILE von Stadler Rail (in der Schweiz bekannt als GIRUNO) für die WESTbahn aussehen. ©WESTbahn Management GmbH

Der SMILE wird der erste Hochgeschwindigkeitszug von Stadler in Österreich sein und kann bis zu Tempo 250 fahren. Gebaut werden die SMILE-Züge im Stadler-Werk im thurgauischen Bussnang (Schweiz). Die drei neuen Züge erlauben es der WESTbahn, ihr Angebot auf die Strecke Wien – Graz – Klagenfurt – Villach kurz vor der Grenze nach Slowenien auszudehnen. Im Januar 2024 hatte die Westbahn bereits bekanntgegeben, nach der für Ende 2025 geplanten Inbetriebnahme des Koralmtunnels einen eigenen Verkehr zwischen Wien und Villach über Graz und Klagenfurt über die österreichische Südbahn und die Koralmbahn anzustreben. Das private Unternehmen WESTbahn verkehrt seit Dezember 2011 in Konkurrenz zu den staatlichen Österreichischen Bundesbahnen auf der 317 Kilometer langen Strecke Wien – Salzburg meist im Stundentakt. Im April 2022 wurden diese Verkehre in Konkurrenz zur Deutschen Bahn bis nach München und jüngst bis Stuttgart ausgeweitet. Weitere Verbindungen auch innerhalb Deutschlands werden angestrebt, auch wenn die Deutsche Bahn keine Tickets für Wettbewerber im Fernverkehr verkauft.

Bereits seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 fahren moderne Doppelstock-Züge der WESTbahn täglich zweimal von Wien über München hinaus bis nach Stuttgart (an 14:37 Uhr und 22:39 Uhr) und wieder zurück (ab 7:12 Uhr und 15:12 Uhr) und benötigen für die Gesamtstrecke Wien – Stuttgart 6:40 Stunden.

WESTbahn SMILE innen
Schick und komfortabel sollen die neuen Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ SMILE vor allem im Inneren werden. ©WESTbahn Management GmbH

Den neuen Hochgeschwindigkeitszug vom Typ SMILE könnte die WESTbahn auch auf dieser Verbindung einsetzen und somit die Schnellfahrstrecke Stuttgart – Ulm effizient nutzen. Zudem wäre es möglich, mit Tempo 250 weiter über die Schnellfahrstrecke Stuttgart – Mannheim bis Frankfurt/Main oder gar über die Schnellfahrstrecke weiter bis Köln zu fahren. Alternative schnelle Verbindungen wären von München aus auch über die Schnellfahrstrecken nach Nürnberg und weiter bis Berlin möglich. Die WESTbahn hatte bereits mehrfach angekündigt, ihr Netz weiter ausbauen zu wollen.

WESTbahn Streckennetz Süd
Das aktuelle Streckennetz der WESTbahn mit der künftigen neuen Süd-Route bis Villach. ©WESTbahn

Die neuen Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ SMILE von Stadler Rail für die WESTbahn bieten unter anderem folgenden Fahrgastkomfort: 

  • Niederfluriger und barrierefreier Einstieg bei Bahnsteighöhen von 55 cm und 76 cm
  • Transparentes, offenes Innendesign 
  • Druckdichte, klimatisierte Fahrgasträume und Führerraum 
  • Behindertengerechtes, geschlossenes WC-System im Niederflurbereich 
  • Stufenfreie, grosszügige Einstiegsplattformen 
  • Multifunktions- und Fahrradabteile im Passagierraum 
  • Komfortable verstellbare Sitze für lange Reisezeiten in allen Komfortklassen 
  • WLAN und Steckdose an jedem Sitzplatz 
WESTbahn SMILE Hochgeschwindigkeitszug
So soll es aussehen, wenn sich einmal zwei SMILE-Hochgeschwindigkeitszüge der WESTbahn vor dem neu gebauten Koralmtunnel begegnen. ©WESTbahn Management GmbH

Damit modernisiert die WESTbahn ihre Flotte um den 11-teiligen, 202 Meter langen Hochgeschwindigkeitszug und setzt nach eigenen Angaben „einen neuen Standard für das nachhaltige Reisen mit der Bahn“. Die SMILE-Züge sind für den grenzüberschreitenden Schienenverkehr konzipiert und setzen neue Massstäbe im Hochgeschwindigkeitsbereich.

SBB-Giruno Hochgeschwindigkeitszug Lugano
Mit Zulassungen für die Schweiz, Deutschland, Italien und Österreich ist der niederflurige, bei der Schweizer SBB als GIRUNO verkehrende Zug vom Typ Stadler SMILE ein Novum in diesem Bereich. Inzwischen sind die Züge regelmäßig zwischen Zürich und Mailand unterwegs, wie hier im April 2023 in Lugano. ©SCRITTI

Mehrsystemfähige Fahrzeuge (für 15 kV AC, 25 kV AC, 3 kV DC) verkehren als GIRUNO bislang sowohl im Schweizer als auch im italienischen Netz.

WESTbahn Fahrplan Süd
So soll der voraussichtliche Fahrplan der WESTbahn auf der Süd-Route aussehen. ©WESTbahn

Die drei nagelneuen SMILE-Züge werden bereits nach weniger als zwei Jahren nach Vertragsunterzeichnung ab März 2026 in den regulären Fahrgastbetrieb der WESTbahn integriert und erweitern auf der Süd-Route das bestehende Angebot mit den 200 km/h schnellen KISS Doppelstock-Zügen ebenfalls aus dem Hause Stadler.

Für Inbetriebnahmen neuer Fahrzeuge üblich sind normalerweise vier bis fünf Jahre. „Wir freuen uns, mit der WESTbahn einen innovativen und zukunftsorientierten Partner zu haben, und gemeinsam innerhalb kürzester Zeit auf modernste Hochgeschwindigkeitszüge setzen zu können. Die SMILE-Züge stehen für innovativste Technologien, hohe Energieeffizienz und maximalen Fahrgastkomfort“, sagt Christian Diewald, Geschäftsführer von Stadler Austria.

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Autor: scritti

Freier Journalist, Author und Fotograf, Heilbronn / Berlin / London Experte für Mobilität und Klima, Bahn, Bus, Reisen, Architektur

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