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Manch einer erinnert sich vielleicht noch an das monatlich erscheinende Musik-, Mode- und Kulturmagazin The Face, das in Sachen Design, Style und Fashion in den 1980er und 1990er Jahren epochemachend war und vor allem in Großbritannien die Popkultur maßgeblich geprägt hat. Insbesondere die legendären Cover-Fotos waren über eine ganze Dekade hinweg stilbildend und das Aushängeschild von The Face. Es gab in der Vergangenheit bereits Ausstellungen über die visuelle Kraft und das legendäre Design des Magazins. Nun widmet sich auch die altehrwürdige National Portrait Gallery in London, die auch für großformatige Darstellungen der britischen Monarchen bekannt ist, dem Phänomen The Face. Noch bis zum 18. Mai 2025 läuft die Ausstellung „The Face Magazine: Culture Shift“ in der National Portrait Gallery am Trafalgar Square in London, und ein Besuch dieses visuellen Spektakels kann ich wärmstens empfehlen.

Das Magazin The Face, das oft als „kulturverändernd“ bezeichnet wird und mehr oder weniger die Karriere von Kate Moss als Supermodel begründete, existierte tatsächlich über einen Zeitraum von 24 Jahren von 1980 bis 2004 und prägte so über zwei Jahrzehnte Mode und Popkultur nicht nur in Großbritannien. Welchen nachhaltigen Einfluss The Face auf das kulturelle Leben dieser Zeit hatte, versucht die Ausstellung mit rund 200 Originalfotos zu ergründen.
Nach 15 Jahren Pause wurde das Magazin schließlich 2019 in kommerzieller Form von einem neuen Verlag, der die Rechte am Titel erworben hatte, zu neuem Leben erweckt. Natürlich ist die neue Version des 21. Jahrhunderts weit von der frischen, subversiven und radikalen Herangehensweise entfernt, die The Face in den 1980er Jahren stilbildend gemacht hat und deren Wurzeln sich noch im Punk verorten lassen.

Aber immerhin sollen die neuen Eigentümer auch nach der Neuauflage 2019 mit dem Magazin Bildschaffenden weiterhin einen innovativen und kreativen Raum bieten und junge Talente in Fotografie, Mode, Musik und Grafikdesign weiterhin fördern.

Gegründet wurde The Face 1980 in London von Nick Logan, dem britischen Journalisten und ehemaligen Herausgeber der Zeitschriften New Musical Express und Smash Hits. Die erste Ausgabe des neuen, revolutionären Magazins war am 1. Mai 1980 erschienen.

1982 entstand dann das über zwei Jahrzehnte prägende Design der Zeitschrift mit dem auffälligen Cover: Der Schriftzug „The Face“ stand in fetten weißen Lettern auf einem roten Balken über die gesamte Breite der Titelseite. Es ist daher nicht verwunderlich, dass vor allem die legendären Titelseiten und deren Entstehen den Schwerpunkt der Ausstellung bilden.
„Essentially I wanted The Face to be good journalism and great photography: a combination. A magazine in the grand tradition of photo journalism to document extraordinarily creative times.“
Nick Logan, Founder and Editor The Face
Wegen zunehmender Konkurrenz auf dem Zeitschriftenmarkt und weil sich der Zeitgeist gedreht hatte, sanken gegen Ende der 1990er Jahre die Verkaufszahlen, so dass Nick Logan den herausgebenden Verlag Wagadon schließlich verkaufte. Die letzte Ausgabe des Magazins (vor der Neuauflage 2019) erschien im Mai 2004.

Ich erinnere mich noch gut, wie es mich fast umgehauen hat, als ich das erste Mal eine Ausgabe von The Face in Händen hatte. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen. Das Magazin hat mit seiner Bildsprache und den behandelten Themen exakt das Lebensgefühl damals getroffen – obwohl ich in dieser Zeit noch keine Ahnung von London und seinen kulturellen Möglichkeiten hatte. Immerhin gab es in den 1990er Jahren MTV, so dass man sich mit Sendungen wie Most Wanted ein bisschen des aufregenden Londoner Zeitgeistes auch nach Deutschland holen konnte.



In der aktuellen Ausstellung in der National Portrait Gallery gibt es naturgemäß sehr viele ikonische Fotos und viel Hintergrund zu Stylings und den Fotoshootings mit den großen, aber oft auch erst werdenden Stars. Vor allem im goldenen Zeitalter des Britpop hat The Face eine wichtige Rolle gespielt, weshalb man auch auf den über 200 Fotos immer wieder den Britpop Stars von Blur über Pulp, Oasis oder Suede begegnet.

Die Ausstellung vereint die Arbeiten von über 80 Fotografen, darunter Sheila Rock, Stéphane Sednaoui, Corinne Day, David Sims, Elaine Constantine und Sølve Sundsbø. Laut Ausstellungskatalog ist dies eine einzigartige Gelegenheit, viele dieser Bilder zum ersten Mal abseits der Magazinseiten zu sehen. Das ist natürlich alles sehr viel Stoff, dennoch aber auch sehr beeindruckend. Es sind so gut wie alle großen britischen Popstars und Models vertreten inklusive David Bowie und Kate Moss, und vor vielen Fotos denkt man sich: Das habe ich doch schon einmal gesehen!

Öffnungszeiten und Tickets
Die Ausstellung „The Face Magazine: Culture Shift“ in der National Portrait Gallery in London ist wie die gesamte Galerie täglich geöffnet von 10.30 Uhr bis 18.00 Uhr, freitags und samstags von 10:30 Uhr bis 21:00 Uhr. Tickets kosten 23 Pfund £23, £25.50 inklusive einer Spende fürs Museum. Für Mitglieder ist der Eintritt kostenlos. Es gibt verschiedene Ermäßigungen. Ein besonderer Tipp: An Samstagen kann man zwischen 17:30 Uhr und 20:00 Uhr für das Ticket zur Ausstellung so viel bezahlen, wie man möchte. Motto: Pay what you can.

Wie inzwischen in London üblich muss man für den Besuch der Ausstellung ein entsprechendes Zeitfenster buchen. Das geht auch vor Ort, aber dann kann es passieren, dass man etwas warten muss, bis man Zugang bekommt.



Aber etwas Wartezeit lässt sich in der National Portrait Gallery ja gut überbrücken mit den unzähligen anderen tollen Bildern, die es dort auf mehreren Etagen kostenlos zu entdecken gibt. Zudem befindet sich im Untergeschoss mit Larry’s auch eine nette Cocktail Bar mit Speisen und Getränken, in der man bequem etwas Zeit verbringen kann.
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