Miniatur Wunderland: Kurz mal bis ans Ende der Welt reisen (Teil 1)

Das Miniatur Wunderland in Hamburg begeistert mit immer neuen, detailgetreuen Landschaften, die inzwischen bis nach Patagonien und in die Antarktis reichen.

Patagonien im Miniatur Wunderland

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Wenn in den dunklen Wintermonaten die Sehnsucht nach Sonne, Farben und grünen Landschaften wächst, muss man nicht unbedingt bis ans andere Ende der Welt reisen, um dieses Bedürfnis etwas zu stillen. Man kann auch in den tiefsten Norden nach Hamburg fahren, in ganz neue, unbekannte Welten eintauchen und sich dabei regelrecht verzaubern lassen. Wie das geht? Man muss einfach das Miniatur Wunderland besuchen! Dort gibt es alles, was man in der dunklen Jahreszeit so schmerzlich vermisst, und einem gute Laune macht: Gutes Wetter, viel Licht, Farben, üppige grüne Natur und tiefblaues Meer!

Im Italien Abschnitt im Miniatur Wunderland scheint das ganze Jahr über die Sonne. ©SCRITTI

Als Travelblogger und Bahn Enthusiast bin ich natürlich auch ein Fan vom Miniatur Wunderland in Hamburg, seit vielen Jahren nun Deutschlands meist besuchte Touristenattraktion. Was die Brüder Frederick und Gerrit Braun mit dem Aufbau der größten Modelleisenbahnanlage der Welt in einem ehemaligen Lagerhaus in der Hamburger Speicherstadt seit 25 Jahren geleistet haben, ist einfach atemberaubend. Und ein Ende des Spektakels im Maßstab 1:87 ist noch lange nicht in Sicht. Zum Glück! Die Ideen gehen den Modellbauern nicht aus. Ständig kommen neue Welten hinzu, in denen zwar auch Züge fahren, deren Schwerpunkt inzwischen aber auf dem Landschafts- und Architekturbau liegt. So wie zuletzt das Ende der Welt mit Patagonien und der Antarktis oder Monaco und die Provence.

Patagonien im Miniatur Wunderland
Imposante Gebirge, Brücken und weite Landschaften erlebt der Reisende im neuen Patagonien Express im Hamburger Miniatur Wunderland. ©SCRITTI

Nachdem im bisherigen Gebäude die zwei Etagen bis auf den letzten Winkel mit Miniaturwelten zugebaut waren – besonders herausragend sind dabei die neueren Abschnitte mit Italien und der Provence –, konnte schließlich ein Nachbargebäude auf der anderen Seite des Kanals erworben und mit einer spektakulären Glasbrücke angebunden werden. So kann das Wunderland nun auf mehreren neuen Etagen im Maßstab 1:87 um neue Welten erweitert werden.

Das Miniatur Wunderland Hamburg anschaulich in Zahlen. ©Miniatur Wunderland

Über die gläserne Brücke zwischen den beiden Gebäuden verkehren – wie es nicht anders sein kann – auch Schnellzüge, die beide Welten miteinander verbinden. So kann man nun in wenigen Minuten vom europäischen Kontinent in 1:87 hinüber auf den südamerikanischen fahren. Oder man läuft eben die paar Meter, solange man sich noch nicht tatsächlich auf Miniaturgröße schrumpfen lassen kann, so wie es die Wunderländer in ihrem Virtual Reality Erlebnis anbieten.

Im neuen Gebäude entstand als erstes auf 46 Quadratmetern ein verblüffend realistisches Modell von Rio de Janeiro. Dieses wurde in Zusammenarbeit mit der argentinischen Modellbaufamilie Martinez vor Ort in Argentinien gebaut, in Übersee-Containern nach Deutschland verschifft und im Dezember 2021 schließlich eröffnet. Eine Dokumentation darüber findet sich hier.

Patagonien im Miniatur Wunderland
Die kleine Stadt Ingeniero Jacobacci ist die größte menschliche Siedlung in Patagonien – mit Bahnhof. ©SCRITTI

Seitdem wird der südamerikanische Kontinent stetig weiter entwickelt. Das nächste Projekt war das Ende der Welt in Patagonien mit viel Natur aus karger Wüste, imposanten Gebirgszügen, atemberaubenden Gletschern und ewigem Eis der Antarktis.

Patagonien Miniatur Wunderland
Schmalspur- und Normalspurzüge drehen ihre Runden durch Patagonien. ©SCRITTI

Auch das Projekt Patagonien über 65 Quadratmeter wurde zusammen mit den argentinischen Kolleg*innen verwirklicht und nach vier Jahren nervenzehrender Arbeit schließlich im Mai 2023 eröffnet. Auch dieser Abschnitt lässt mal wieder keine Wünsche offen und fasziniert durch Authentizität und akribische Modellbauarbeit bis ins kleinste Detail.

„Ich persönlich hatte das große Glück, schon vor fast 20 Jahren Patagonien zu bereisen. Diese atemberaubende und wunderschöne Natur ist mir nie wieder aus dem Kopf gegangen. Die unendlichen Weiten lassen einen als Menschen selbst ganz klein vorkommen. Seitdem habe ich immer davon geträumt, irgendwann Patagonien im Wunderland zu haben. Nun ist es Wirklichkeit und das fast Unmögliche ist geglückt. Wir haben die Schönheit und Weite dieser Landschaft auf diesen 65 Quadratmetern einfangen können.“

Wunderland-Gründer Frederik Braun.

Während Rio de Janeiro naturgemäß großstädtisches Chaos auf südamerikanische Art inklusive Copacabana, Karneval, Favelas und Müllbergen widerspiegelt, fasziniert Patagonien in erster Linie durch menschenleere Weite und grandiose Landschaften.

Hier kann man tatsächlich entspannen von dem ganzen Trubel um einen herum und sich in die weiten, kargen Landschaften von Patagonien bis hin zur eisbedeckten Antarktis hinein verzaubern lassen.

Auch hier fahren natürlich Züge. Zum einen große Züge in Normalspur, aber auch kleinere Bahnen mit Dampfloks in Schmalspur. Und da es davon keine Modelle zu kaufen gibt, wurden dieses mal auch die Züge selber (um)gebaut. Die kleine Stadt Ingeniero Jacobacci in der argentinischen Provinz ist die einzige dicht bevölkerte Siedlung in diesem Teil Patagoniens. Hier treffen die beiden Bahnen auf dem großen Bahnhofsgelände aufeinander und verkehren teilweise auch gemeinsam auf einem Drei-Schienen-Gleis, was natürlich jedem Bahnfan leuchtende Augen beschert.

Auch in technischer Sicht war dieser Teil des Wunderland wieder eine enorme Herausforderung für die Modellbauer. Aber es funktioniert, und die Züge drehen wie überall im Wunderland unermüdlich ihre Runden.

Ein besonderes Highlight ist die Drake Passage. Die Meeresenge zwischen Südamerika und der Antarktis ist berüchtigt für unberechenbare Seebedingungen und starke Stürme. Dank einer komplexen, selbst entwickelten Mechanik türmen sich hohe Wellen auf, Fischerboote kämpfen mit den Naturgewalten und geniale Projektionen sorgen für schäumende Wellen. Der Effekt ist wirklich unglaublich realistisch, vor allem auch bei Dunkelheit mit Blitzen und Gewittern.

Patagonien im Miniatur Wunderland

Im gesamten Wunderland sind die Tage nämlich recht kurz, so dass alle 15 Minuten die Dunkelheit einbricht und überall die Miniatur-Lichter angehen. Die inzwischen Millionen verbauter Mini-LEDs in Fahrzeugen, Häusern oder Straßenlaternen schaffen auch bei Nacht eine unglaublich beeindruckende und realistische Atmosphäre.

Patagonien im Miniatur Wunderland
Echtes Wasser und kalbende Gletscher gehören ebenso zu Patagonien. ©SCRITTI

Man kann viel darüber erzählen, muss es aber am besten alles selber sehen und erleben. Es ist kein Problem, im Miniatur Wunderland ganze Tage zu verbringen. Die Vielfalt der Details ist so immens, dass man sich am besten einen Abschnitt nach dem anderen vornimmt. Für viele Fans bleibt es daher nicht bei einem Besuch, sondern sie kommen wie ich regelmäßig wieder. Kein Wunder, es kommen ja ständig neue Welten hinzu, in die man dann eintauchen und die man bis ins kleinste Detail erleben kann.

Über die Arbeit der Modellbauer*innen im Miniatur Wunderland gibt es unzählige Videos und auch ganze TV-Reportagen im offiziellen Youtube Videokanal vom Miniatur Wunderland.

Fortsetzung folgt…

Hinkommen ins Miniatur Wunderland

Hamburg Speicherstadt im Winter: Im Hintergrund kurz vor der Elbphilharmonie befindet sich das Miniatur Wunderland in einem ehemaligen Lagerhaus am Zollkanal. ©SCRITTI

Das Miniatur Wunderland befindet sich in der Hamburger Speicherstadt nicht weit von der berühmten Elbphilharmonie entfernt in ehemaligen Lagerhäusern zwischen Binnenhafen und Zollkanal auf der einen und Kehrwiederfleet auf der anderen Seite. Die nächst gelegene U-Bahn Station ist Baumwall (Elbphilharmonie) sowie die S-Bahn Station Landungsbrücken. In der Nähe des Eingangs halten auch verschiedene Buslinien.

Tickets fürs Miniatur Wunderland

Tickets kann man online über die Webseite des Miniatur Wunderlands buchen. Man muss sich auf ein bestimmtes Zeitfenster festlegen, so dass kurzfristig oft keine Tickets mehr zur Verfügung stehen oder es lange Wartezeiten gibt. Man kann dies aber umgehen, indem man zum Beispiel ein Kombi-Paket oder ein Zusatzevent bucht wie etwa „Große Pötte & kleine Züge“. Dabei macht man eine abendliche Hafenrundfahrt in überdachten und beheizten Barkassen und kann das Wunderland ohne Wartezeit besuchen. Gleiches gilt auch, wenn man zusätzlich ein Virtual Reality Erlebnis bucht. Auch dann kann man zu jeder beliebigen Zeit an diesem Tag das Wunderland besuchen vorbei an den Warteschlangen.

Übernachten in der Hamburger Hafencity

Hamburg Zollkanal
Das Hotel Premier Inn Hamburg City Zentrum liegt sehr günstig am Zollkanal (im Foto rechts) gegenüber vom bekannten Chilehaus. ©SCRITTI

Es gibt in der Hamburger Hafencity zahlreiche, meist neue Hotels. Sehr günstig gelegen ist das Premier Inn Hamburg City Zentrum gegenüber des berühmten Chilehaus etwa auf halbem Weg zwischen Hamburg Hauptbahnhof und Miniatur Wunderland und ebenso nicht weit von Innenstadt und Rathaus entfernt. Mehr Hintergrund zu Premier Inn Hotels in Deutschland gibt es hier im Beitrag. Das Miniatur Wunderland betreibt inzwischen in der Hafen City mit dem PIERDREI auch ein eigenes Hotel und bietet entsprechende Kombi-Pakete an.

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Avatar von Unbekannt

Autor: scritti

Freier Journalist, Author und Fotograf, Heilbronn / Berlin / London Experte für Mobilität und Klima, Bahn, Bus, Reisen, Architektur

2 Gedanken zu „Miniatur Wunderland: Kurz mal bis ans Ende der Welt reisen (Teil 1)“

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