Architektur-Erlebnis: Freiburg, Quartier Vauban

Der Freiburger Stadtteil Vauban wurde ökologisch und autoarm gebaut und ist ein Vorbild moderner Stadtplanung in Zeiten des Klimawandels.

Das Freiburger Stadtviertel Vauban ist ein ganz besonderes Modellprojekt, denn es wurde bereits in den 1990er Jahren als grünes und autoarmes Viertel auf einem ehemaligen Kasernengelände am Stadtrand konzipiert und nach vielen Debatten und unter Beteiligung der Bürger*innen später auch überwiegend von Privatleuten und Baugenossenschaften gebaut. Wenn man durch das Viertel spaziert oder mit dem Rad fährt, fallen einem sofort die allgemeine Ruhe und das viele Grün zwischen den Häusern auf. Die Architektur ist modern, vielseitig und abwechslungsreich. Autos sucht man meist vergebens. Dafür fährt die Straßenbahn auf einem grünen Rasengleis mitten hindurch. Man verspürt schnell den Wunsch, in diesem Stadtteil, in dieser Oase, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht der Autoverkehr, auf Dauer zu wohnen. Es gibt sogar ein „grünes Hotel“ in dem Viertel. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, wenn man in Freiburg und Umgebung unterwegs ist.

Autofrei: Wo sonst in Deutschland Vorgärten für Stellplätze zubetoniert werden, darf sich im Freiburger Vauban-Viertel das Grün entfalten. Die Straßen gehören Radfahrenden und Fußgängern. ©SCRITTI

Der neue Stadtteil entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Wehrmachtskaserne, die ab 1937 im Gewann Feldmatten auf der Gemarkung des Winzerdorfs St. Georgen erbaut worden war, das 1938 nach Freiburg eingemeindet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese „Vauban-Kaserne“ von den französischen Streitkräften genutzt, die 1992 abzogen. Die Anfang der 2000er Jahre neu gebauten Häuser entsprechen dem Niedrigenergie-Standard und produzieren zum Beispiel in der Solarsiedlung mehr Energie, als sie verbrauchen. Da das Viertel von Anfang an autoarm bis autofrei sein sollte, gibt es vor den meisten Häusern keine Stellplätze für PKW. Man darf lediglich zum Ein- und Ausladen vorfahren und muss ansonsten in einer Quartiersgarage parken. Der Besitz eines eigenen Autos ist jedoch nicht wirklich nötig. Das grüne Viertel wurde von Anfang an mit der Freiburger Straßenbahn an den Öffentlichen Verkehr angebunden.

Fahrt ins Grüne: Mitten durch den Freiburger Stadtteil Vauban fährt alle fünf Minuten die Straßenbahn und schafft gute und schnelle Verbindungen in die Innenstadt. ©SCRITTI

Die Tram verkehrt im Minutentakt und bietet schnelle Verbindungen in die Freiburger Innenstadt. Zudem gibt es an jeder Ecke Carsharing-Möglichkeiten, Mieträder und gut ausgebaute Radwege in alle Richtungen. Durch Verzicht auf Stellplätze im Quartier sind die meisten öffentlichen Wohnstraßen für kinderfreundliche Freizeitaktivitäten nutzbar und bieten so zusammen mit den zahlreichen Grünspangen eine besondere urbane Lebensqualität. Es entsteht ein komplett anderes Raumgefühl, wenn vor einem Gebäude keine Autos stehen oder der Platz vor einem Einfamilienhaus für den Carport zubetoniert ist. In typischen deutschen Neubauvierteln ist inzwischen die Garage ja fast größer als das eigentliche Haus. Eingebettet in das grüne Hügelland der Umgebung ist das Vauban immer noch ein deutschlandweites Vorbild, wie moderne Stadtplanung in Zeiten des Klimawandels eigentlich sein sollte. Wo wie etwa in Heilbronn im neuen Stadtteil Neckarbogen nur über „autoarmes Wohnen“ und einen „Ausbau des Öffentlichen Verkehrs“ geredet wird, kann man in Freiburg anschaulich erleben, wie man es von Anfang an unter Beteiligung der Bürger*innen richtig macht.

Zahlreiche Hintergrundinformationen zum Stadtviertel Vauban gibt es auch auf der Webseite der Stadt Freiburg. Dort finden sich neben Luftbildern verschiedene Kapitel die sich den wichtigen Themen rund ums Vauban widmen:

Autor: scritti

Freier Journalist und Fotograf, Südwestdeutschland Fachmann für Verkehr, Bahn, Bus, Reisen

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