Lost Places: Botschaft des Irak (DDR)

Mitten in Berlin Pankow findet sich im ehemaligen Diplomatenviertel ein spannender Lost Place: Die frühere Botschaft des Irak in der DDR.

Wo: Berlin Pankow, Ortsteil Niederschönhausen
Anreise: Tram-Linie M1 Tschaikowskistraße
Architekten: Deutsch-irakisches Architektenkollektiv
Besonderheit: Verfallender Plattenbau, Lost Place

Sogenannte „Lost Places“ sind ja inzwischen sehr angesagt. Manche Zeitungen widmen dem Thema ganze Serien. Vielleicht liegt das auch daran, dass man im Kontext der Nachhaltigkeitsdebatten alte Gebäude wieder wertschätzen lernt und solche Orte oft die Phantasie anregen, was aus ihnen Kreatives entstehen könnte. Im Sommer 2021 entdeckte ich zufällig einen solchen Lost Place im tiefen Osten von Berlin: Mitten in Pankow steht versteckt ein architektonisches Schmuckstück aus längst vergessenen Plattenbau-Zeiten und ist dem Vandalismus preisgegeben: Die 1974 erbaute Botschaft des Irak in der DDR, die sich bis 1991 im ehemaligen Diplomatenviertel von Berlin Pankow befand. Das Gebäude in der Tschaikowskistraße 51 wurde 1974 von einem deutsch-irakischen Architektenkollektiv unter Leitung von Horst Bauer mit Hilfe des Kollektiv des Bau- und Montagekombinats Ingenieurhochbau Berlin (IHB) geplant. Es wurde im Wesentlichen aus standardisierten Plattenbau Fertigelementen gebaut und vom VEB BMK Ingenieurhochbau Berlin realisiert.

Irakische Botschaft in der DDR: Die Fenster sind verrammelt, das Gebäude gehört wohl weiterhin der Republik Irak. ©SCRITTI

Laut Wikipedia ist charakteristisch für das Gebäude eine Fassade aus Carrara-Waschbeton. Auffallend sind die vorkragenden Brüstungselemente und die große Terrasse über dem Erdgeschoss. Das Gebäude wurde zudem mit einem großzügigen, künstlerisch gestalteten Garten ausgestattet. Teile der geklinkerten Außenfassade stammen aus den HB-Werkstätten für Keramik von Hedwig Bollhagen.

Das Ensemble aus mehreren Gebäuden im selben Stil mit großen Fenstern und luftigen Balkonen gruppiert sich um einen kleinen Platz. Die Nachbargebäude werden weiterhin teilweise genutzt und befinden sich in einem guten Zustand. Interessant sind vor allem die architektonischen Details, die sehr schön die Moderne und den Zeitgeist der 1970er Jahre widerspiegeln. An den Nachbargebäuden erkennt man noch sehr gut, wie das gesamte Ensemble einst zusammen funktioniert hat.

Das Magazin Der Stern berichtet in dem Artikel „Lost Places in Berlin“ über ein das Buch „Geisterstätten“ und weitere verlassene Orte in Berlin, an die sich „kein Tourist verirrt“, darunter auch die ehemalige Irak-Botschaft der DDR.

Wenn man bei Google Maps die Adresse „Tschaikowskistraße 51“ in Berlin eingibt, erscheinen zahlreiche Aufnahmen aus dem verwahrlosten Inneren der ehemaligen Botschaft, darunter auch sehr schöne Wand-Mosaiken.

Zahlreiche Fotos aus dem Inneren des Gebäudes finden sich auch im Post „Die verlassene irakische Botschaft in Berlin“ auf der Webseite „Deutschland mal anders“.

Autor: scritti

Freier Journalist und Fotograf, Südwestdeutschland Fachmann für Verkehr, Bahn, Bus, Reisen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: