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Was: Große Werkschau über die Kunst von Yayoi Kusama (*1929, Matsumoto)
Wo: Museum Ludwig Köln
Wann: 15. März 2026 bis 2. August 2026, Täglich (außer Montag) 10 bis 18h oder 20h
Das Museum Ludwig in Köln widmet im Jahr 2026 anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums der legendären japanischen Künstlerin Yayoi Kusama eine große Ausstellung über ihr Lebenswerk. Über 300 Installationen, Bilder und Objekte sind seit dem 14. März 2026 auf mehreren Etagen im Museum Ludwig in unmittelbarer Nachbarschaft des Kölner Doms und des Kölner Hauptbahnhofes zu entdecken. Sie geben tiefe Einblicke in die faszinierende Welt einer Künstlerin, die kürzlich am 22. März 2026 sage und schreibe 97 Jahre alt wurde. Das Werk der 1929 geborenen japanischen Künstlerin ist vor allem für die obsessive Wiederholung von Mustern, immersive Installationen und die Verschmelzung von persönlicher Psychologie mit visueller Kunst bekannt. Die Kunst von Yayoi Kusama ist eine Antwort auf Halluzinationen, die sie seit ihrer Kindheit erlebt. Halluzinationen, in denen sie den eigenen Körper und die Umgebung von Punkten, Blüten und anderen Wiederholungsmustern überwuchert wahrnahm. Bereits auf dem frühesten Bild in der Ausstellung, einer Kinderzeichnung aus dem Jahr 1934, sind diese Punkte sichtbar. Die Kunst dient ihr seitdem als Katharsis und Bewältigungsmechanismus, um Ängste abzubauen.

Bei meinem Besuch in der ersten Woche nach der Eröffnung war die Ausstellung auch mehr als gut besucht. Auf mehreren Ebenen präsentiert das Museum Ludwig wichtige Stationen aus dem Schaffen von Yayoi Kusama. Es gibt frühe Zeichnungen, Gemälde, zahlreiche Skulpturen bis hin zu speziellen Räumen mit Spiegeln und Lichtreflexen, die einen in psychedelische Dimensionen entführen. Das optische Highlight und Liebling des Publikums ist sicherlich ein hoher Raum über zwei Etagen, der komplett von überdimensionalen schwarzen Tentakeln mit gelben Punkten durchzogen ist, die einen verblüffenden Effekt auslösen.
Das Werk trägt den etwas sperrigen Titel 2026 Infinity Mirrored Room – the Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe. Hier findet sich in der Mitte ein innen und außen verspiegelter Würfelraum, der von Außen fast nicht erkennbar ist, und in dessen Innerem sich das schwarz-gelbe Punkteuniversum gespenstisch und unendlich weit fortsetzt.

Mit diesen ikonischen Punktmustern (Polka Dots) überzieht Kusama Gegenstände, Menschen und wie in Köln ganze Räume. Sie sind ebenso Ausdruck dieser Weltsicht wie ihre Unendlichkeits-Spiegelräume.

Erlebnisse ihrer Kindheit, darunter Halluzinationen, in denen sie den eigenen Körper und die Umgebung von Punkten, Blüten und anderen Wiederholungsmustern überwuchert wahrnahm, durchziehen Kusamas gesamtes Schaffen. Fragilität und Auslöschung sind gleichermaßen Teil dieser Erfahrungen wie die Teilhabe und Verschmelzung mit einem großen Ganzen. Ihre Kunst ist für Kusama Lebensnotwendigkeit, jedes ihrer Werke auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst.
Museum Ludwig, Köln

Immersive Erlebnisse in endlosen Spiegelräumen
Diese Infinity Mirror Rooms brachten es schon von Mai 2021 bis April 2024 in London in einer viel beachteten Ausstellung von Yayoi Kusama in der Tate Modern Gallery zu großer Berühmtheit.

Damals standen in einer Etage der Tate Modern drei würfelförmige Räume, durch die man hindurch laufen musste und in deren Innern sich eine faszinierende Welt aus Spiegeln und bunten Lichtpunkten offenbarte, die den Betrachter aufgrund der geschickten Spiegelungen in fast endlose Dimensionen entführte. Weil die Installation so erfolgreich war und von Besuchern überrannt wurde, stand sie am Ende fast drei Jahre lang in der Tate Modern in London.


Ähnliche Effekte wie in den großen Spiegelräumen gibt es auch in kleineren Spiegelboxen von Kusama, in die man durch teils farbige Gucklöcher hineinschauen muss und dann ein Kaleisdoskop aus bunten, leuchtenden Punkten in einem endlos scheinenden Universum erlebt.
Doch es gibt nicht nur solche spektakulären Installationen von Yayoi Kusama in der Kölner Ausstellung zu entdecken. Die Werkschau deckt das gesamte Schaffen Kusamas ab mit über 300 Arbeiten, von der ersten Zeichnung von 1934 bis heute, und durch eine Vielzahl künstlerischer Medien, wie Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation, Mode, Performance und Literatur.





In den 1960er Jahren lebte Kusama in New York. Sie bewegte sich im Zentrum der New Yorker Avantgarde und verknüpfte verschiedene Stile wie etwa Pop Art, ohne sich einem fest unterzuordnen.

Aus dieser Phase, die von 1958 bis 1973 dauerte, stammt auch das in Köln zu sehende Schlüsselwerk mit dem Titel Aggregation: One Thousand Boats Show. Ein echtes Ruderboot, das vollständig mit weißen, phallusartigen Stoffformen überzogen ist, thematisiert sexuelle Obsessionen und Ängste.

Mein persönliches Highlight der Ausstellung ist die Installation I’m Here, but Nothing von 2000/2026. Ein weiterer spektakulärer Raum, der die ganz besondere, durch die Krankheit bedingte Wahrnehmung der Welt durch Yayoi Kusama wohl am einprägsamsten vermittelt: Ein vollständig eingerichtetes Apartment mit Schreibtisch, Bett, Sofa, Sitzecke und Fernseher ist komplett mit leuchtenden bunten Punkten überzogen, die durch den ganzen Raum zu schweben scheinen, den Betrachter komplett umhüllen und diesen förmlich aufzusaugen scheinen.



Der psychedelische Effekt dieser im Jahr 2000 zum ersten Mal präsentierten Installation aus fluoreszierenden Aufklebern und ultraviolettem, fluoreszierendem Licht ist wirklich umwerfend! Leider darf man sich aktuell nur 40 Sekunden in dem blau leuchtenden Raum aufhalten, bevor die nächste Besuchergruppe durchgeschleust wird. Vielleicht ist das in schwächer besuchten Zeiten anders, denn dieses Kunstwerk muss man sicherlich länger und intensiver auf sich wirken lassen.

Die Ausstellung im Museum Ludwig zeichnet jedenfalls mit großem Engagement die Stationen im Leben der ebenso vielschichtigen wie konsequenten Künstlerin nach. Diese führten sie Ende der 1950er Jahre aus dem ländlichen, patriarchalisch geprägten Japan der Nachkriegszeit in die lebendige Metropole New York. 1973 kehrte Kusama nach Japan zurück, wo sie seit Jahrzehnten in einer Klinik in Tokio lebt und aus ihrem Atelier ihre Botschaften in die Welt sendet.

Selbst ganz oben auf der Dachterrasse des Museum Ludwig gibt es noch Installationen von Yayoi Kusama. Dort stehen direkt mit Blick auf den Kölner Dom drei überdimensionale, ebenfalls mit Punkten überzogene bunte Blumenskulpturen. Zudem gibt es einen weiteren kleinen Spiegelraum, in den immer nur drei Personen zugleich dürfen.
Das Museum Ludwig in Köln

Die Zahl der ausgestellten Objekte und Erlebniswelten in dieser Ausstellung über Yayoi Kusama im Kölner Museum Ludwig ist schon etwas überwältigend. Man kann bei einem einzigen Besuch kaum all die unterschiedlichen Kunstwerke und Lebensphasen der Künstlerin in sich aufnehmen. ich empfehle daher, die Ausstellung in Etappen beziehungsweise mehrfach zu besuchen. Ich habe zum Beispiel eine Mittagspause im schönen Museumscafé eingelegt und bin anschließend noch ein zweites Mal durch die Ausstellung. Alle Infos zur Ausstellung und Links zur Ticketbuchung gibt es auf der Webseite vom Museum Ludwig.



Und wenn man schon mal vor Ort ist und genügend Zeit mitbringt, sollte man es natürlich auch nicht versäumen, die vor allem die große Sammlung im Museum Ludwig in den weiteren Räumen zu besuchen. Diese ist im Eintrittspreis inbegriffen. Mit seiner umfangreichen Pop Art-Sammlung, der weltweit drittgrößten Picasso-Sammlung, einem bedeutenden Bestand zum deutschen Expressionismus sowie einer exzellenten Fotografie-Sammlung gehört es zu den führenden Institutionen für moderne und zeitgenössische Kunst in Europa.

Auch die Architektur des 1986 eröffneten Gebäudes ist durchaus einen Besuch wert. Die Hauptnutzfläche von 25.000 Quadratmetern umschließt auf mehreren Ebenen 260.000 Kubikmeter Raum, was dem Volumen des Kölner Doms entspricht. Mehr zur Geschichte des Museum Ludwigs gibt es im entsprechenden Beitrag von Wikipedia.
Danke fürs Lesen des Beitrags!
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