Berlins coolstes Museum: Gib mir ein B!

Das Buchstabenmuseum in Berlin bietet eine riesige Sammlung mit Neonschriften, Buchstaben und Leuchtobjekten ehemaliger Geschäfte.

In Berlin gibt es ein kleines, wunderbares Museum, versteckt in einem Backsteingewölbe im modernistischen Hansaviertel aus den 1950er Jahren. In den sogenannten S-Bahn-Bögen unter der Berliner Stadtbahn hat das Buchstabenmuseum nach zahlreichen Ortswechseln nun nicht weit vom S-Bahnhof Bellevue ein (hoffentlich dauerhaftes) Zuhause gefunden.

Eingang des Buchstabenmuseum in den S-Bahnbögen im Berliner Hansaviertel ©SCRITTI

Seit vielen Jahren schon sammelt das Buchstabenmuseum ganz banal Buchstaben, die die Moderne geprägt und in erster Linie in der Konsumkultur eine wichtige Rolle gespielt haben. Hauptsächlich sind es beleuchtete Neonschriften, die so typisch für die bundes- wie auch die ostdeutschen Innenstädte waren. Das Buchstabenmuseum leistet mit seiner Sammlung einen wichtigen Beitrag, um deutsche Design- und Kulturgeschichte und damit verbundene ikonische Schriftzüge für die Nachwelt zu bewahren. Im Laufe der Jahre kam so einiges zusammen, und die Notwendigkeit eines großen Lagers für die inzwischen über 2.000 Objekte wurde immer dringlicher. Und so finden sich nun in den Archiven des Museums eben auch die typischen Schriftzüge deutscher Warenhäuser, die aktuell in einer besonderen Ausstellung zu sehen sind. 

Die Sammlung von Buchstaben im Buchstabenmuseum wächst kontinuierlich. Manches Exemplar kann man auch im Shop des Museums kaufen. ©SCRITTI

Die aktuell weiterhin laufende Ausstellung „Finale Sale“ beleuchtet (im wahrsten Sinne des Wortes) die Warenhaus Kultur der 1980er Jahre vor allem im Westen der Republik. Marken wie Quelle, Hertie, Karstadt und natürlich Kaufhof sind aus dem kollektiven Gedächtnis der Bundesbürger nicht wegzudenken. Sie haben das Konsumverhalten ganzer Generationen geprägt.

„Erst mal sehen was Quelle hat“- Blick in die aktuelle Sonderausstellung des Buchstabenmuseums ©SCRITTI

Wer in den 1980er Jahren aufgewachsen ist, der hat sofort eine Erinnerung parat, wenn er zum Beispiel das ikonische blaue Q der Quelle Versandhäuser sieht. In der Sammlung des Berliner Buchstabenmuseums gibt es sie alle: Das Q von Quelle, das jeweilige K von Karstadt oder Kaufhof, aber auch einen kompletten Schlecker-Schriftzug oder Varianten des Schriftzuges von Beate Uhse. 

Junge Menschen können es sich wahrscheinlich kaum vorstellen, dass es Zeiten ohne Internet gab, wo fast in jedem Haushalt, ein dicker, bunter Katalog voller Bilder von Waren lag, die man sich nach Hause bestellen konnte. Der Quelle Katalog war quasi der Vorgänger von Amazon. Anders als heute konnte man damals auch einfach ins Warenhaus in der nächsten Stadt gehen, und in Gängen und Regalen stöbern. Egal was man benötigte, vom Fernseher bis zur Unterhose, Quelle hatte es.

Doch mit dem Internet verschwanden im Laufe der Jahre immer mehr dieser Leuchttürme der Konsumkultur aus unseren Städten. Der Niedergang war nicht mehr aufzuhalten. Galeria ist heute der kläglicher Rest aus Kaufhof und Karstadt, der noch bis in die 2020er Jahre überlebt hat, sich heute aber nur noch als Immobilienverwalter versteht. Den großen Namen und ikonischen Symbolen setzt das Buchstabenmuseum mit dieser kleinen Ausstellung ein Denkmal.

In den Katakomben unter den Gleisen der Berliner Stadtbahn lagern darüber hinaus blaue Buchstaben, gelbe Buchstaben, rote Buchstaben. Kleine Buchstaben, große Buchstaben, beleuchtete Buchstaben, unbeleuchtete. Einen kleinen Überblick gibt es auf der Webseite des Buchstabenmuseums. Basis für den riesigen Fundus des Buchstabenmuseums war die private Sammlung von Barbara Dechant, Gestalterin aus Wien. Hunderte von Buchstaben konnten sie und ihre Gleichgesinnten bereits vor der Verschrottung, dem Verschwinden, dem Verwerten als Dekorationsobjekte retten und im Buchstabenmuseum bergen.

In der neu eingerichteten Neon Werkstatt im Buchstabenmuseum werden Neonschriften repariert und ©SCRITTI

In der jüngst eingerichteten Neonwerkstatt – auch dies eine Rettungsaktion, um traditionelle Technik vor der Verschrottung zu bewahren – werden alte Buchstaben restauriert und wieder zum Leuchten gebracht. Zugleich erhält das Publikum Einblicke in ein Handwerk, das wie die Warenhaus Kultur zusammen mit den Neonschriften zu verschwinden droht. Die Zeichen der Zeit stehen auf LED und nicht mehr auf mit Gas gefüllte Glasröhren, die mithilfe von elektrischer Spannung zum Leuchten gebracht werden. Was dem Untergang geweiht ist oder bereits untergegangen ist, landet im besten Fall in Buchstabenmuseum. Egal ob Salamander Schuhe oder einfach nur leuchtende Zierfische aus der früheren Stalinallee im Osten Berlins.

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