UPDATE: Am 8. Oktober 2023 endete die BUGA 2023 in Mannheim und hat mit 2,2 Millionen gezählten Eintritten ihr gesetztes Ziel übertroffen. Wie es mit beiden Geländen weitergeht, was überleben soll und was nicht, wird in einem Beitrag des SWR erläutert. Vor allem der Luisenpark wird in der jetzigen Form als Freizeitoase erhalten bleiben.
Zum zweiten Mal in ihrer Geschichte findet im Jahr 2023 die Bundesgartenschau (BUGA) in Mannheim statt. Und zum zweiten Mal spielt bei der Gestaltung der weitläufige Luisenpark eine zentrale Rolle. Bislang scheint das Konzept aufzugehen. Zur Halbzeit der BUGA Mannheim 2023 hat die Deutsche Bundesgartenschau Gesellschaft (DBG) eine Zwischenauswertung ihrer Besucherbefragung bekanntgegeben. Über eine Million Besucher*innen, zehn bunte Blumenhallenschauen, fast 81.000 verkaufte Dauerkarten, 2.944 Veranstaltungen und 330.000 gepflanzte Blumen – das waren die ersten 89 Tage der Mannheimer Bundesgartenschau, wie man hier im Detail nachlesen kann. Fast die Hälfte (49%) kam mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die BUGA kann noch bis zum 8. Oktober 2023 täglich besucht werden. Die Eingänge sind teils bis 20:30 Uhr geöffnet, die Kassen schließen um 19 Uhr.

Wie bereits bei der ersten Bundesgartenschau im Jahre 1975 besteht auch die BUGA 2023 aus zwei Bereichen, die mit einem innovativen Verkehrsmittel – dieses Mal eine neugebaute Seilbahn über den Neckar – miteinander verbunden sind. Im Osten von Mannheim liegt der klassische Luisenpark in der Nähe des Fernsehturms südlich des Neckars. Nördlich davon befindet sich das Spinelli Gelände, eine großflächige Hinterlassenschaft der US Armee, auf dem sich noch zahlreiche frühere Militärgebäude befinden und die man nun versucht, in ein für die Großstadt nutzbares Gelände zu konvertieren. Entsprechend groß sind die Kontraste, die die Besucher*innen bei der BUGA 2023 erwarten.
Der Luisenpark ist ein wunderschöner klassischer Stadtpark voll mit üppigem Grün, mit Ruheoasen dazwischen und dem großen, weitläufigen Seegelände des Kutzerweihers. Über diesen fahren an Ketten gezogene gelbe Boote mit Sonnensegel und machen so den Park zu Füßen des Mannheimer Fernsehturms bei einer Rundfahrt vom Wasser aus erlebbar. Das Wegenetz im gesamten Park hat eine Länge von rund zehn Kilometern. Es braucht also Zeit, diesen in Gänze zu erforschen bis hin zum neu angelegten Hortensiengarten am Fuß des Fernmeldeturms, der einige schattige Sitzplätze bietet.

Für den Erstbesucher es ist schwer zu sagen, was hier schon in der Vergangenheit an Anlagen vorhanden war und was nun mit der BUGA 2023 neu hinzu kam. Es gibt große Wiesen, Gewächshäuser mit Palmen, Kaimanen, Krallenäffchen und Reptilien, umschwirrt von freifliegenden exotischen Schmetterlingen und sogar Volieren mit unterschiedlichen Vogelarten und neuerdings auch Pinguine. Auf Infotafeln heißt es:

Am südlichen Ende des Parksees Kutzerweiher ist bis zur BUGA 23 ein ganz neues Parkzentrum entstanden. Waren zuvor auf dem Areal zwischen Pflanzenschauhaus und Parksee Kutzerweiher für Besucher unzugängliche Wirtschafts- und Bürogebäude, sind in einem ersten Bauabschnitt auf einem Areal von 1,89 Hektar ganz neue Erlebnisräume für Besucher mit großzügigen Tier- und Pflanzenwelten entstanden. Mit dem Projekt Neue Parkmitte erfährt der Luisenpark die größte bauliche Erneuerung seit 1975, als er schon einmal Teil einer Bundesgartenschau war.








Im Luisenpark erinnert vieles ein bisschen an eine klassische Kombination aus Park und zoologischem Garten, wie man ihn zum Beispiel auch in Karlsruhe findet. Das hat durchaus seinen Charme, und es ist nicht verwunderlich, dass sich (gefühlt) die Mehrheit der Besucher*innen in diesen Teil der Gartenschau aufhält. Das Gelände ist riesig, und man kann sicherlich problemlos Tage hier verbringen, bis man alles gesehen hat. An heißen Sommertagen ist es zudem eine kleine Oase, die mit hohen alten Bäumen Kühlung und Entspannung verspricht.

Eine ganz andere Welt empfängt einen im Nordteil der BUGA, wenn man aus schwindelerregenden Höhen wieder auf der Erde gelandet ist und die Seilbahngondel verlässt. Das Spinelli Gelände ist auf den ersten Blick ein großes leeres Feld, das mit Inhalt gefüllt werden will. Von 1938 bis 1945 agierte hier die Wehrmacht, bevor die Pionier-Kaserne 1948 durch das amerikanische Militär unter dem Namen „Spinelli-Barracks“ genutzt und auf etwa 82 Hektar Gesamtfläche ausgebaut wurde. Das Gelände wurde 2012 aufgegeben und gleicht aktuell teilweise einer Wüstenlandschaft. Besonders an heißen Tagen knallt die Sonne unerbittlich, und schon Anfang Juni sieht man überwiegend braune vertrocknete Wiesen mit eher spärlichem Bewuchs und ein paar karge Bäumchen. Die Anlagen der US Army und vor allem die lang gestreckten Hallen, welche früher vor allem zum Abstellen der Armee-Fahrzeuge genutzt wurden, sind weitgehend noch erhalten und wurden für Zwecke der Gartenschau umfunktioniert.

Wenn man hier in der Hitze auf kargen Wegen entlang karger Wiesen läuft, fragt man sich schon ein wenig, wo jetzt eigentlich die Gartenschau stattfindet. Hier herrscht ein eher postindustrielles, großstädtisches Ambiente, und es wird schnell deutlich, dass man es eher mit einem großen Experimentierfeld zu tun hat und Lösungen für das Leben in der Großstadt angesichts des drohenden Klimawandels gesucht werden. Immerhin hat sich die Mannheimer BUGA der Nachhaltigkeit verschrieben und will die bisher nachhaltigste Bundesgartenschau werden. Mehr zu Konzept und Ideen hier.

Man erkennt schnell, dass es sich beim Spinelli Gelände um ein großes Versuchsfeld handelt, was man mit solchen Anlagen und großflächigem Gelände anfangen soll, beziehungsweise wie man diese künftig klimafreundlich in das großstädtische Leben integrieren kann. Hier gibt es unter anderem Ausstellungen zur Geschichte der Stadt oder der Schifffahrt auf dem Neckar, Diversity und Inklusion spielen eine große Rolle auf dem Weg in die Zukunft. Hier findet man auch das Rundfunk-Studio des SWR, Gartenmärkte und viel Gastronomie und Streetfood im industriellen Ambiente. Da die Sonne ziemlich unerbittlich knallt, fühlt man sich schnell irgendwo in den Süden Europas versetzt.

Klimaschutz ist auf dem Spinelli Gelände jedenfalls das bestimmende Thema. Es gibt kleine Anlagen, wo Sponsoren ihre Ideen, Gartenträume und Themen präsentieren können. Es wird mit vertikalen Gärten experimentiert, und es sind auch zahlreiche Stadtbäume der Zukunft gepflanzt, um zu erforschen, wie diese zunehmende Hitze und Trockenheit vertragen und ob sie eine Alternative zu unseren heimischen Stadtbäumen sein können.









Man kann auch diese BUGA auf jeden Fall öfter besuchen und stets neue Sachen entdecken. Zudem gibt es wie auch 2019 auf der BUGA in Heilbronn eine Unzahl an Veranstaltungen und Konzerten, die meist abends etwa auf der Bühne auf dem Spinelli Gelände stattfinden. Das Veranstaltungsprogramm findet sich hier.

Tipps für einen Besuch der BUGA 2023 in Mannheim
Anreise: Mannheim ist zentraler Knotenbahnhof im deutschen Fernverkehrsnetz, ICE und Intercity-Züge verkehren teils alle halbe Stunde. Vor dem Bahnhof verkehren zahlreiche Tram-Linien, von denen einige direkt bis vor die Eingänge der BUGA fahren. Bei den Tages- und Zweitageskarten ist der Nahverkehr im gesamten VRN-Gebiet bereits inkludiert. Es gilt auch das 49-Euro-Ticket. Weitere Infos gibt es hier. Die Seilbahn kann nur innerhalb des BUGA Geländes genutzt werden.
Übersicht:
Einen Plan mit den beiden Parkgeländen und allen Einrichtungen gibt es hier.
Tickets:
Die Tageskarte kostet für Erwachsene 28 Euro. Ich empfehle für den Besuch auf jeden Fall eine 2-Tageskarte, wenn nicht sogar eine Dauerkarte zu kaufen. Die 2-Tageskarte kostet für Erwachsene 43 Euro und berechtigt zum Besuch an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Tickets können online hier erworben werden. Die Nutzung des Nahverkehrs ist in den Tickets inkludiert.
Übernachtung:
Direkt am Hauptbahnhof Mannheim befindet sich ein neues Premier Inn Hotel neben weiteren Hotels anderer Ketten. Mehr Infos zu Premier Inn Hotels gibt es hier im Beitrag.
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