Buchtipp: Heidelbergs Aufbruch in die Moderne

Ein liebevoll gestaltetes Buch aus dem Heildelberger Stadtarchiv zeigt in vielen Fotos das Leben in Heidelberg in den 1950er Jahren.

In der Bahnhofsbuchhandlung im Heidelberger Hauptbahnhof bin ich neulich zufällig auf einen schönen Bildband gestoßen. Das Buch aus dem Silberburg-Verlag heißt „Heidelberg in den 50er-Jahren“ und wurde von Mitarbeitenden des Stadtarchivs Heidelberg liebevoll und akribisch zusammengestellt. Es zeigt „zwischen Neuanfang und Wirtschaftswunder ein bewegtes Jahrzehnt in Bildern“ – so steht es jedenfalls auf dem Cover. Das Buch aus dem Silberburg-Verlag hat 164 Seiten, die fast alle mit großformatigen Fotos überwiegend in schwarz-weiß gefüllt sind. Dazu gibt es jeweils stimmungsvolle Bildtexte, die das Lebensgefühl der Zeit gut vermitteln und die Fotos auch geografisch gut einordnen. In der Einführung zum Buch wird erklärt, dass die Fotos alle aus dem Archiv von Fritz Hartschuh stammen. Hartschuh war gebürtiger Heidelberger und hat über 50 Jahre lang zunächst für die Heidelberger Neusten Nachrichten und später für die Rhein-Neckar-Zeitung gearbeitet und fotografiert. Die Fotos geben sehr schön die Atmosphäre in der Nachkriegszeit anfangs noch unter amerikanischer Besatzung und in den Jahren des Aufschwungs wieder.

Der Marktplatz in Heidelberg in den 1950er Jahren, als hier noch die Straßenbahn verkehrte, links die Heiliggeistkirche. ©Stadtarchiv Heidelberg

Glücklicherweise wurde die Stadt Heidelberg im Zweiten Weltkrieg nicht so stark zerstört, so dass es überwiegend sehr viele interessante Aufnahmen aus der Altstadt gibt mit vielen Orten, die man auch heute noch ohne Probleme wiedererkennen kann.

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Stadt am Fluss: Gute Laune tanken in Würzburg

Würzburg am Ufer des Main hat allerhand zu bieten und eignet sich hervorragend für einen Städtetrip mit dem Rad

Quick Facts: Radtrip nach Würzburg
Anreise: Per Bahn aus allen Richtungen, ICE-Knoten an der Hauptstrecke Hamburg – München
Unterkunft: Ibis Würzburg neu und modern direkt am Mainufer nahe der Innenstadt, ideal für Radfahrende: Räder können im Foyer an Fahrradständern geparkt werden
Trips in die Umgebung: Mit dem Rad über den Mainradweg am Main entlang in beide Richtungen, Schiffstouren auf dem Main zum Beispiel nach Veitshöchheim, dem geographischen Mittelpunkt der Europäischen Union

Eher etwas unbeabsichtigt landete ich im Juni 2020 mit dem Fahrrad in Würzburg. Obwohl ich schon dutzende Male hier in den ICE umgestiegen bin, kannte ich die Stadt nicht wirklich und beschloss, auf Entdeckungstour zu gehen. Das Ergebnis war überraschend: Die Stadt mit den vielen Türmen hat doch auch ihre idyllischen Seiten, und es lohnt sich, hier mal ein paar Tage zu verbringen.

Türme wohin man schaut: Würzburg liegt direkt am Main und bietet viele interessante Perspektiven. ©SCRITTI

Insbesondere am Ufer des Mains, der mitten hindurchfließt, hat sich in den letzten Jahren doch einiges getan. Wie in vielen Städten erobern sich auch hier die Menschen vor allem im Sommer den Fluss zurück. Es wurde im nördlichen Teil mit dem Kulturspeicher das östliche Ufer neu gestaltet, man findet immer wieder ehemalige Krane als Landmarke. An warmen Sommerabenden herrscht durchaus Partystimmung am autofreien Flussufer mit Restaurants, schattigen Biergärten oder Gastroschiffen. Oder man holt sich einfach ein Bier oder eine Flasche Wein und setzt sich an die Promenade direkt am Flussufer mit Blick auf den Berg und die beleuchtete Festung Marienberg am anderen Ufer.

Gute-Laune-Ort: Im Sommer trifft man sich am Ufer des Mains mit Blick auf Alte Mainbrücke und Festung Marienberg. @SCRITTI
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Wie die Moderne auf die Modellbahn kam

Von Mitte Februar bis Ende März 2019 gab es eine tolle Ausstellung im Architektur Salon in Hamburg: märklinMODERNE, vom Bau zum Bausatz und zurück, ein Projekt des Online Magazins moderneREGIONAL. Bei dem von der Wüstenrot-Stiftung geförderten Projekt geht es darum, wie die architektonische Moderne in den 60er und 70er Jahren auf Modellbausätze für den Einsatz auf der Modelleisenbahn übertragen wurde und so bundesdeutsche Architekturrealität meist im Maßstab 1:87 in den Hobbykeller brachte. In der Tat erhält man beim Betrachten der typischen Modelle der Firmen Faller oder Kibri aus jener Zeit einen ganz anderen Blick auf die Epoche, die Alltagsarchitektur und die Sehnsüchte der Menschen in deutschen Städten.

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Villa im Tessin von Faller, der Traum vom modernen Wohnen im Grünen ©SCRITTI

Fast jeder Modellbauer hat schon einmal die kleine „Villa im Tessin“ gesehen, die so typisch den modernen Zeitgeist jener Epoche widerspiegelt und in gewisser Weise auch den Traum von einem aufgeräumten, modernen Leben in Wohlstand in idyllischer Umgebung symbolisiert. Weiterlesen „Wie die Moderne auf die Modellbahn kam“

Zwischenstopp: Bamberg, Welterbe

Bamberg zählt zurecht zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist mit Abstand eine der schönsten Städte Deutschlands!

Wenn man mit dem Zug aus dem Süden nach Berlin fährt, bieten sich unterwegs diverse Zwischenstopps an, um besondere Orte einmal näher kennenzulernen. Seit die Schnellfahrstrecke durch den Thüringer Wald in Betrieb gegangen ist, halten nun die meisten ICE zwischen Nürnberg, Erfurt und Berlin in Bamberg. Da die Fahrzeiten aus dem Süden nach Berlin über die neue Route nahezu identisch mit den bisherigen über Fulda, Göttingen und Wolfsburg sind, ist diese Verbindung nun eine echte Alternative. Von Bamberg sind es nur noch etwa 2:45 Stunden Fahrzeit bis Berlin-Hbf, Züge fahren stündlich. Man hat ja schon einiges gehört von Bamberg, dem UNESCO-Weltkuturerbe mit jahrhundertelater Braukultur.

Weltkulturerbe: Bamberg, mit Abstand eine der schönsten Städte Deutschlands! ©SCRITTI

Vom Bahnhof aus sind es ungefähr 20 Minuten zu Fuß bis in die Altstadt, man kann aber auch den Linienbus nutzen. Ich laufe solche Wege in der Regel, um so schon einmal einen Eindruck und ein Gefühl für eine fremde Stadt zu bekommen. Die Altstadt ist der größte unversehrt erhaltene historische Stadtkern in Deutschland und seit 1993 als Weltkulturerbe in die UNESCO-Liste eingetragen. Das macht neugierig!

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Kreiselkunst: Die Inseln des Zorns

Muss weg, da nicht verkehrssicher: Kreiselkunst Erlenbach
Muss weg, da nicht verkehrssicher: Kreiselkunst Erlenbach
Wir hatten ja an dieser Stelle schon einmal über wenn nicht gar sinnlose, so doch zumindest fragwürdige Kunst in Verkehrskreiseln auf Kosten des Steuerzahlers in deutschen Weinbaugemeinden berichtet. Seit einiger Zeit gehen nun die Wogen erneut zu diesem Thema hoch. Grund: Die EU verlangt den Abbau von solcher „Kreiselkunst“, die ein potenzielles Sicherheitsrisiko darstellen könnte, und das Land als ausführendes Organ will nun etliche Kreisel-Inhalte in Baden-Württemberg beseitigen lassen. Es könnte ja sein, dass irgendein volltrunkener Autofahrer nachts, statt in den Kreisverkehr abzubiegen, einfach geradeaus auf die schöne Kunst aus Felsen, Mauern oder Stahlstreben rauscht. Jetzt hat auch die Süddeutsche Zeitung das Thema aufgegriffen unter dem Titel „Insel des Zorns“: „In vielen Ländern Europas entschloss man sich, die immerhin zum Schutz von Menschenleben gedachte Maßgabe erst mal herzhaft zu ignorieren. Die Stadt Paris ließ ausrichten, man werde weder den Arc de Triomphe abtragen noch den Obelisken auf dem Place de la Concorde fällen. Auch in Deutschland mühte sich niemand, bestehende Kreisverkehre zu überprüfen. In Nordrhein-Westfalen verweist das Verkehrsministerium auf Einzelfalllösungen, in Bayern gibt es ein „Merkblatt“ zum Kreiselbau. Nur in Baden-Württemberg zimmerte die grün-rote Landesregierung einen grundsätzlichen „Kreisel-Erlass“, der ihr jetzt um die Ohren fliegt.“ Ja, das sind die Themen, die uns in diesem Lande wirklich bewegen!

60.000 Euro teure Kreiselkunst

Kreiselkunst Erlenbach
Kreiselkunst Erlenbach
And now for something completely different: In meinem geliebten Heimatdorf wurde jüngst ein neuer Kreisverkehr angelegt, und damit das Innere dieses Kreisverkehrs nicht so trostlos wirkt und um sich von Nachbarorten abzugrenzen, die in Kreisverkehre ganz profan Weinreben pflanzen, hat sich der Führer der Gemeinde überlegt, mit ein bisschen Kunst das leere Innere des modernen Kreisels zu beleben. Auf einen entsprechenden Ideenwettbewerb hat sich angeblich nur ein ortsansässiger Architekt gemeldet, dessen glorreiche Ideen flux umgesetzt und in Metall gegossen wurden. 60.000 Euro hat das laut Heilbronner Stimme gekostet. Nun kann jeder Autofahrer am Ortsrand anschaulich sehen, was diesen besonderen Ort so lebenswert macht.

Luftig, leicht und filigran – statt unterirdischer Größenwahn!

Architekturentwurf für einen modernisierten Kopfbahnhof

Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 präsentiert neue Entwürfe eines modernisierten Kopfbahnhofes. Eine gläserne, bogenförmige Dachkonstruktion über den Bahnsteigen soll eine mondäne, lichtdurchflutete Bahnhofshalle schaffen. Auch wenn der Bau des Tunnelbahnhofes beschlossen scheint, so sind die Kosten nachwievor schön gerechnet und werden mit Sicherheit weiter zu Lasten der Steuerzahler explodieren. Niemand braucht einen Tunnelbahnhof in Stuttgart, der lediglich einen neuen Engpass im deutschen Schienennetz schafft. Die Vorteile eines modernisierten Kopfbahnhofes sind eindeutig: niedrigere Kosten, genügend Gleis-Kapazitäten für Integralen Taktfahrplan und mehr Verkehr in der Zukunft, Erhalt des historischen Hauptbahnhofes, ökologisch verträglicher, kundenfreundlich, da keine gigantischen Treppenanlagen, sondern ebenerdiger Zugang zu den Gleisen, etc.etc.

Mehr Info der Tunnelgegner: Kopfbahnhof-21.de

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